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Wir brauchen eine Willkommens- und Wertschätzungskultur

Die Niedersächsische Ministerin für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration, Cornelia Rundt, hat gleich die erste Kammerversammlung nach ihrem Amtsantritt im Februar besucht. Am 4. Mai 2013 hob sie in ihrer Rede im Ärztehaus die "langjährige und vor allen Dingen gute und partnerschaftliche Zusammenarbeit" von Gesundheitsministerium und Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) hervor und versicherte, den vertrauensvollen Umgang weiter zu pflegen. Schon vorab setzte die Ministerin ein positives Signal, indem sie sagte: "Die Ärztekammer hat die schwere Aufgabe, den besonderen Interessenlagen eines bunt gemischten Personenkreises von Krankenhausärzten und niedergelassenen Ärzten und den unterschiedlichen Fachgebieten gerecht zu werden. Ich denke, dass Sie als Kammervertreter diese Anforderungen souverän lösen."

Einen Tag nach der Landtagswahl hatte sich Rundt unter anderem in der Ärzte Zeitung klar zur künftigen Gesundheitspolitik Niedersachsens positioniert. In der Rede vor den Vertretern der Kammerversammlung kam schwerpunktmäßig der Kinderschutz zur Sprache wie auch die Förderung von Deutschkenntnissen der steigenden Anzahl aus dem Ausland stammender Ärzte.

Im Bericht der Präsidentin zu aktuellen Fragen der ärztlichen Berufspolitik stand Letzteres ebenfalls auf der Agenda. Dr. med. Martina Wenker resümierte, dass sich die Zahl ausländischer Ärzte in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt hat, so dass sich ihr Anteil im Jahr 2012 auf 28.310 (berufstätige ausländische Ärzte) bei insgesamt 342.100 berufstätigen Ärzten (Stand 2011) belief. Die Ärzte sind eine Berufsgruppe, in der schon länger eine vielschichtige globale Mobilität vorherrscht. Während Mediziner aus Osteuropa, Griechenland und in jüngster Zeit verstärkt aus Südeuropa gern nach Deutschland kommen, wandern viele deutsche Ärzte ab und bevorzugen dabei die Schweiz, Österreich, die USA sowie Großbritannien. Wie Dr. Wenker ausführte, seien mit der Wanderungsbewegung auch ethische Fragen berührt. "Wenn Ärzte aus Ländern aus Ost- und Südeuropa abwandern, die dort dringend für die Patientenversorgung der ansässigen Bevölkerung gebraucht werden, kann das dramatische Auswirkungen auf deren Gesundheitssystem haben", betonte die Kammerpräsidentin.

Eine weitere Analyse des Kammervorstands nach der Beratung im Dezember lautete, so Dr. Wenker: Die deutschen Sprachkenntnisse der ausländischen Ärzte bedurften einer sinnvollen Förderung, da sie ein wesentliches Element der Qualitätssicherung ärztlicher Tätigkeit darstellten. Die Bundesärztekammer plädiere für eine bundesweit einheitliche Überprüfung von Sprachkenntnissen. Drei Nachweismöglichkeiten für ein angemessenes Sprachniveau seien denkbar. Erstens: Nach dem Ablegen eines deutschen medizinischen Staatsexamens könne klar von der Fähigkeit zur Patientenversorgung in Deutschland ausgegangen werden. Oder es befähige eine erfolgreich absolvierte Eignungs- beziehungsweise Kenntnisprüfung in Verbindung mit dem Sprachtest B2 dazu. Dieser müsse unbedingt von einem staatlich zertifizierten Sprachlabor ausgestellt worden sein. Drittens – und dies lag Dr. Wenker besonders am Herzen – sei eine Prüfung in deutscher medizinischer Fachsprache zusätzlich zum bestandenen B2-Test eine sehr gute Nachweismöglichkeit. "Es kommt ganz klar auf eine adäquate Patient-Arzt-Kommunikation an. Gewinnbringend ist es, wenn ausländische Ärzte diese mithilfe von Simulationen erlernen. Kommunikationstrainings, in denen erfahrene Ärzte in die Rolle von Patienten schlüpfen und Situationen durchspielen, haben sich bewährt. Wir als Kammer bieten unsere Erfahrung und unser Fachwissen an."

In der anschließenden Diskussion wurde der Begriff der Willkommenskultur eingebracht: Nur wenn Ärzte aus anderen Ländern eine klare Orientierung hinsichtlich der Sprachförderungsmöglichkeiten und -anforderungen erhielten, bekämen sie die Chance, schnell ihre wertvolle Arbeitskraft zu entfalten. Kritisch diskutiert wurde weiterführend, warum deutsche Kliniken und Praxen nicht mehr genügend Nachwuchs aus den hiesigen Universitäten generieren können. "Neben einer Willkommenskultur brauchen wir auch eine Wertschätzungskultur für alle ärztlichen Kollegen", betonte ÄKN-Vizepräsident Dr. med. Gisbert Voigt. Zunehmende Arbeitsverdichtung, Bürokratisierung und mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Familie hielten immer mehr Absolventen davon ab, in Deutschland ärztlich tätig zu werden. Wertschätzung vielerlei Ausprägung könne diesem Trend wieder etwas entgegensetzen.

Dem sich abzeichnenden Ärztemangel auf dem Land widmeten sowohl Gesundheitsministerin Rundt als auch Kammerpräsidentin Dr. Wenker einen Abschnitt ihrer Rede. Dr. Wenker berichtete der Kammerversammlung von einer gut besuchten Presseveranstaltung der ÄKN vor dem Deutschen Ärztetag. Dort brachte das Präsidium die Sorgen der Ärzteschaft hinsichtlich der bereits jetzt und in Zukunft fehlenden Mediziner im Flächenland Niedersachsen auf den Punkt. "Unser Botschaft lautete: Zwar haben wir im Sinne der Bedarfsplanung noch keine unterversorgten Gebiete, doch – auch wegen der Altersstruktur der Ärzte – sehen wir den Ärztemangel unweigerlich auf uns zukommen. Handlungsbedarf besteht daher heute und nicht erst dann, wenn es schon so weit ist“, unterstrich Dr. Wenker und kündigte an, dass unter anderem dieses Thema Gegenstand eines geplanten Gesprächs von Ministerin Rundt und Staatssekretär Jörg Röhmann in der ÄKN am 8. Mai sein werde.

(- Julia Theiler)

Dokument erstellt am 25. April 2016, zuletzt aktualisiert am 27. November 2017