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Armut gefährdet das gesunde Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen: Gesundheitsförderung gezielt stärken!

Wer arm ist, stirbt früher - dieser Zusammenhang von sozialem Status und Gesundheit ist wissenschaftlich belegt. Aber nicht nur das: Kinder in wirtschaftlich schwachen Familien wachsen oftmals in Verhältnissen auf, die einer gesunden Entwicklung nicht zuträglich sind: Die Ernährung ist schlechter, es wird häufiger geraucht, sportliche Aktivitäten weichen dem Medienkonsum. Diese Zusammenhänge verdeutlichte erst im vergangenen März der 18. Kongress Armut und Gesundheit in Berlin. Zahlreiche Akteure aus Wissenschaft, Politik, Praxis und Zivilgesellschaft diskutierten dort über drängende Fragen zu gesundheitlicher Chancengleichheit.

Nach der aktuellen Statistik lebt jedes siebte Kind unter 15 Jahren in einer Familie, die auf Leistungen nach "Hartz-IV" angewiesen ist. Das waren im Jahr 2012 rund 1,6 Mio. Kinder und Jugendliche in Deutschland, auf Niedersachsen übertragen heißt dies circa 160.000 Kinder und Jugendliche! Jedes elfte Kind in Armut erfährt alltägliche Entbehrungen wie fehlende regelmäßige Freizeitaktivitäten, keine tägliche warme Mahlzeit und kein ruhiger Platz für die Hausaufgaben. Ich meine, unsere Gesellschaft braucht dringend neue Impulse zur Prävention und Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten. Sehenden Auges laufen wir weiter in einen Teufelskreis: Wir bieten an unseren Schulen immer weniger Sportunterricht an, wir schließen immer mehr Schwimmbäder, in denen sich vor wenigen Jahren noch Kinder und Jugendliche vergnügten und verstärken so den Bewegungsmangel unter Kindern und Jugendlichen. Quasi als "Ersatz" dafür öffnen täglich neue Chaträume – in der neuen, der digitalen Welt.

Gleichzeitig sehen wir Kinder- und Jugendärzte immer mehr übergewichtige Kinder, die durchschnittliche körperliche Leistungsfähigkeit sinkt rapide. Versicherungen und Volkswirte berechnen schon heute die finanziellen Folgen dieser Fehlentwicklung für kommende Generationen. Und wir schauen zu.

Als Kinder- und Jugendarzt sehe ich hier einen ganz dringenden Handlungsbedarf für die Politik, aber auch für die deutsche Ärzteschaft. Wir können der Politik klare Impulse dafür geben, wie wichtig die Gesundheitsförderung im digitalen Zeitalter ist und Forderungen kommunizieren - wie zum Beispiel die, den Sportunterricht wieder verstärkt anzubieten, so wie es uns andere europäische Länder vormachen. Das ist für mich ein wichtiges Anliegen – auch für den 116. Deutschen Ärztetag in Hannover.

(Dr. med. Gisbert Voigt, Berufspolitisches Statement zum 116. Deutschen Ärztetag in Hannover, 2013)

Dokument erstellt am 4. Januar 2017, zuletzt aktualisiert am 23. Oktober 2017