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Fehlerprävention im Gesundheitswesen als wichtiger Schritt zu mehr Patientensicherheit in Klinik und Praxis

"Primum nil nocere", "zuerst einmal nicht schaden", diesen Grundsatz lernen Medizinstudentinnen und -studenten schon im Studium kennen. Patientensicherheit, Lernen aus Behandlungsfehlern, Fehlermeldesysteme, Risikomanagement - diese Stichworte beschreiben verschiedene Aspekte eines zunehmend auch öffentlich diskutierten Themas. Vor allem in den Medien finden sich hierzu ernsthafte und konstruktive, zum Teil aber auch populistische und anklagende Berichte.

Insbesondere die Ärztekammern haben deshalb die Aufgabe, mit Augenmaß die Aufmerksamkeit auf sensible ärztliche Themen wie Sorgfaltspflichtverletzung, Umgang mit Behandlungsfehlern in Klinik und Praxis sowie auf die Patientensicht bei individueller Betroffenheit zu lenken.

Im Herbst 2005 fand hierzu im Ärztehaus Hannover die Auftaktveranstaltung der "AG Patientensicherheit“ der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) und der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern statt. Mit Blick auf die Zukunft wurden Präventionsstrategien für den einzelnen Arzt in seinem beruflichen Umfeld, für die Ärztekammern hinsichtlich der Qualität ärztlicher Berufsausübung sowie für Organisationen im Gesundheitswesen unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen medizinischer Leistungserbringung präsentiert. Das Rahmenkonzept dafür verstand sich im Sinne des proaktiven Risikomanagements als integraler Bestandteil eines einrichtungsinternen Qualitätsmanagementsystems.

Spätestens seit Publikation der US-Studie "To Err is Human“ im Jahre 2000 mit der Zahl von 44.000 bis 98.000 Todesfällen durch unerwünschte Ereignisse in amerikanischen Kliniken ist die Dimension medizinischer Behandlungsfehler auch bei uns in den Fokus der Öffentlichkeit gelangt. Das Robert-Koch-Institut geht von jährlich etwa 40.000 offiziellen Schadensfällen in Deutschland aus. So kommen bei fünf bis zehn Prozent der im Krankenhaus behandelten Patienten unerwünschte Ereignisse vor, hiervon sind zwischen 30 und 50 Prozent vermeidbar. Vergleichbare Statistiken aus dem ambulanten Sektor liegen nicht vor, es ist jedoch von einer ähnlichen Größenordnung auszugehen. Unter dem Aspekt des vermeidbaren Schadens kommt hierbei der ärztlichen Sorgfaltpflichtverletzung eine zentrale Bedeutung zu.

Die Ursachen medizinischer Behandlungsfehler sind vielschichtig. Auf der fachlichen Ebene hat sich in den letzten Jahrzehnten ein Wandel vom schicksalhaften Krankheitsverlauf zum hochtechnisierten Gesundheitsbetrieb mit hoher Heilerwartung vollzogen. Ausdruck und Ergebnis dieses Prozesses sind Änderungen der Arbeitsorganisation, die abnehmende Kontinuität der ärztlichen Behandlung, Änderungen des Informationsflusses mit Dokumentation statt verbaler Information sowie eine zunehmende Schematisierung und Ökonomisierung der Therapie. Die gesellschaftliche Ebene ist geprägt durch einen Wandel des Arzt-Patientenverhältnisses mit zunehmender Transparenz und Informationsmöglichkeiten sowie berechtigten Ansprüchen der Patienten. Auf der juristischen Ebene ist neben den persönlichen ärztlichen Haftungsrisiken in Diagnose, Aufklärung, Behandlung und Dokumentation - bei zunehmender Bedeutung - die Organisationshaftung getreten. Patientensicherheit in gesamtgesellschaftlicher Verantwortung erfordert somit die Koordination unterschiedlicher Perspektiven von Politik, Krankenkassen, ärztlicher und juristischer Professionen sowie der Organisationen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen.

Berechtigterweise gelangt die Prävention medizinischer Behandlungsfehler in jüngster Zeit mehr und mehr in den Blickpunkt öffentlichen Interesses. Um ihr gerecht zu werden, etablieren sich zunehmend Präventionsstrategien wie Fehlerberichtssysteme und freiwillige Berichte über kritische Ereignisse, die sogenannten Critical-incident-reporting-systems, die sich auch in anderen Bereichen mit hohen Sicherheitsanforderungen entwickeln. Exemplarisch sei hier auf das anonyme Fehlermeldesystem www.jeder-fehler-zaehlt.de des Institutes für Allgemeinmedizin der Universität Frankfurt hingewiesen. Grundlage aller Fehlerberichts- und Lernsysteme ist das Verständnis einer neuen Fehlerkultur mit Übergang von der traditionellen Sichtweise einer individuellen Fehlerursache mit Trainings- und Motivationsdefiziten der Mitarbeiter hin zur modernen Fehlerforschung mit den Hauptfehlerursachen Kommunikations- und Teamversagen, organisatorische Mängel und Defizite im Selbstverständnis der Organisation. Auch im Gesundheitswesen muss sich ein Wandel von der "Blame-culture“, einer oberflächlich reaktiven Schuldzuweisung, hin zu einer "Safety-culture“ mit vorurteilsfreiem Umgang mit Fehlern vollziehen. Es wäre ein sinnvoller Paradigmenwechsel vom "Wer ist schuld?“ zum "Was ist schuld?“.

In Niedersachsen haben in diesem Sinne die ÄKN und die Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern das nachfolgende Konzept entwickelt, das die Nutzbarmachung der Schlichtungsstellen-Statistiken für eine gezielte ärztliche Fortbildung und Fehlerprävention zum Inhalt hat.

Fehlerpräsentation vor Ort
Anhand der ausgewerteten Datensätze der Schlichtungsstelle wurden zunächst die drei Themenschwerpunkte Koxarthrose, Mammacarcinom und Medikationsfehler/Thromboseprophylaxe als zentrale Fortbildungsschwerpunkte ausgewählt. Auftakt ist jeweils eine zentrale Fortbildungsveranstaltung pro Quartal, in der ein Schwerpunktthema mit Beispielen häufiger Behandlungsfehlervorwürfe aus medizinischer und juristischer Sicht vorgestellt und ein Konzept zur Fehlervermeidung entwickelt wird. Zielgruppen- und praxisorientiert kommt es nachfolgend zur Präsentation des Schwerpunktthemas in den Ärztevereinen, Qualitätszirkeln und bei den regionalen Fortbildungsbeauftragten der Bezirksstellen. Ferner ist eine regelmäßige Re-Evaluation der gezielten Fortbildungsaktivitäten mit jährlicher Präsentation im ZQ-Forum Patientensicherheit sowie der Transfer an die Universitäten mit frühzeitiger Sensibilisierung der Medizinstudenten für eine positive Fehlerkultur vorgesehen. Oberstes Ziel dieser gemeinsamen, fortlaufenden Aktivitäten ist die Prävention medizinischer Behandlungsfehler als ein wichtiger Schritt zu mehr Patientensicherheit in Praxis und Klinik.

(Dr. med. Martina Wenker)

Weitere Informationen:

Dokument erstellt am 25. April 2016, zuletzt aktualisiert am 1. Oktober 2018