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Humanität und Berufsethos in Zeiten harter Marktwirtschaft

Eine 86-jährige schwerkranke Patientin mit Herzbeschwerden und Luftnot wird in einem Krankenhaus behandelt. Die Krankenkasse verweigert die Kostenübernahme mit der Begründung, die Patientin sei fünf Tage später gestorben, und die Klinik habe also eine palliative Leistung erbracht. Diese hätte aber ambulant im Pflegeheim oder in einer Hospizeinrichtung erfolgen können. Die Versicherten würden von den Krankenhausärzten erwarten können, dass medizinisch nicht notwendige Leistungen auch tatsächlich nicht in Anspruch genommen werden würden. So geschehen in einem norddeutschen Krankenhaus.

Wer dies hört, ringt mit der Fassung. Wenn wir in einer Welt leben sollten, in der einer um Luft ringenden Patientin an der Krankenhauspforte geraten wird, doch mal ins Hospiz zum Sterben zu gehen, dürften wir keinen jungen Menschen mehr ermuntern, unseren Beruf zu ergreifen. Zum Glück leben wir nicht in einer solchen Welt. Vor Gericht bekamen die Krankenhausärzte der Klinik recht, die Kasse bezahlte, und die Richter stellten heraus, dass die vorherige Leistungsverweigerung in eklatanter Weise gegen das Humanitätsgebot verstoße. Ein Präzedenzfall.

Er zeigt, dass wir an einer Schwelle stehen. Unsere Gesellschaft ist im Umbruch begriffen. Der hochgeschätzte Kollege, Prof. Dr. med. Giovanni Maio, M.A. (phil), wird beim Deutschen Ärztetag in weniger als zwei Wochen ausführen, das Medizin und Ethik zunehmend der Ökonomie unterworfen sind. Dies ist ein zentraler Punkt und ein wichtiger Grund, weshalb die verfasste Ärzteschaft sich in Hannover mit diesem Spannungsfeld befassen wird. Denn es gilt, – im Auftrag der nachfolgenden Generationen und für den Erhalt unserer gesellschaftlichen Werte – in aller Deutlichkeit klarzustellen: Die Ökonomie dient der Medizin und nicht umgekehrt.

An oberster Stelle steht für uns Ärzte das Wohl der uns anvertrauten Patienten. Die Therapiefreiheit, für die wir gestern, heute und auch in Zukunft kämpfen, garantiert, dass wir jeden Patienten nach seinen individuellen Bedürfnissen behandeln – und nicht nach Schema F die Funktionstüchtigkeit wiederherstellen wie bei einem Roboter. Das Zuhören, das Hineinfühlen und der aufrichtige Wunsch zu helfen sind zwar nicht messbar – schon gar nicht innerhalb unseres leistungsorientierten Systems. Jedoch wissen wir alle, dass ein aufmunterndes Wort oft mehr zur Heilung unserer Patienten beiträgt als jede High-Tech-Medizin. Ein cleveres Wirtschaften in Klinik und Praxis unterstützt dieses Leitbild. Wenn ökonomisches Denken im Einklang mit Medizin und Ethik steht, verschafft es uns die Freiräume, die wir für menschliche Gesten brauchen.

(Dr. med. Martina Wenker, Berufspolitisches Statement zum 116. Deutschen Ärztetag in Hannover)

Dokument erstellt am 25. April 2016, zuletzt aktualisiert am 19. April 2018