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Sterbehilfe: Ärztinnen und Ärzte lehnen Tötung Sterbenskranker ab

Meinungsumfragen lassen bisweilen den Eindruck entstehen, daß eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger für eine Legalisierung der aktiven Sterbehilfe eintritt. Dabei werden Zustimmungswerte zwischen 60 und 80 Prozent genannt.

Die Ärztinnen und Ärzte in unserem Lande sind jedoch von derartigen Umfrageergebnissen unbeeindruckt und lehnen die Tötung Sterbenskranker durch aktive ärztliche Handlungen entschieden und vorbehaltlos ab.

Tötung auf Verlangen steht dem ärztlichen Handlungsauftrag, Krankheiten zu verhüten, Kranke zu heilen, Leiden zu lindern und Sterbende zu begleiten, diametral entgegen.

Jede Patientin, jeder Patient muß zu jeder Zeit sicher sein können, daß die sie betreuenden Ärztinnen und Ärzte konsequent für das Leben eintreten und weder wegen wirtschaftlicher, politischer noch anderer Gründe das Lebensrecht in Frage stellen.

Diese Sicherheit ist nur dann garantiert, wenn wir diesen Tötungsakt kategorisch und glaubwürdig ablehnen.

Unsere Verpflichtung hingegen lautet Sterbebegleitung, das heißt, Leiden zu lindern und Angst zu nehmen, um damit ein selbstbestimmtes, würdevolles Lebensende erlebbar zu machen. In ihren "Grundsätzen der Bundesärztekammer zur ärztlichen Sterbebegleitung" hat die deutsche Ärzteschaft – auch vor dem Hintergrund der schrecklichen Erfahrungen mit der Euthanasiepraxis der Nationalsozialisten – unmißverständlich klar gestellt, daß sie aktive Sterbehilfe und ärztlich unterstützten Selbstmord entschieden ablehnt und sich an solchen Praktiken auch nicht beteiligen wird.

Auch der gelegentliche Hinweis auf den Vorrang des Selbstbestimmungsrechts des Patienten als ein übergeordnetes Rechtsgut wird uns von diesem klaren, in den zitierten Grundsätzen aufgezeigten Weg auch nur einen Schritt abbringen.

Worauf kommt es also an? Es gilt, in der Öffentlichkeit mehr noch als bisher die Alternativen gegen den Tod auf Verlangen aufzuzeigen. Ein Schlüsselbegriff dabei ist die Palliativmedizin, also jene ganzheitliche Medizin und Pflege einschließlich eines seelsorgerischen Beistands, die in den letzten Wochen und Stunden eines verlöschenden Lebens zur Anwendung kommen.

Der Ruf nach Sterbehilfe, übrigens nicht selten auch von überforderten Angehörigen geäußert, die den Anforderungen einer situationsgerechten Pflege nicht oder nicht mehr gewachsen sind, verstummt nach Erkenntnissen der Deutschen Hospiz Stiftung immer dann, wenn über die Möglichkeiten einer humanen Sterbebegleitung informiert wird.

Die so aufgeklärten Patienten und ihre Angehörigen werden so zu unseren Partnern, indem sie uns einen Gewissenskonflikt durch die unterlassene Bitte nach der "erlösenden Spritze" ersparen.

Hilfen in Form einer ausreichenden Behandlung, Medikation und Betreuung zur Leidensminderung, vor allem durch wirksame Schmerztherapie, sind unser Angebot an Sterbende und das Hauptargument gegen jede Art aktive Sterbehilfe selbst. Viele hochmotivierte Therapeuten, Pfleger und Seelsorger stehen dabei auf unserer Seite.

(Prof. Dr. med. Heyo Eckel)

Dokument erstellt am 25. April 2016, zuletzt aktualisiert am 12. Dezember 2017