Zum Hauptinhalt wechseln
Aktuelles Hannover, (ÄKN)

Seit dem 7. Juni ist die Impfpriorisierung bei der Schutzimpfung gegen das Coronavirus aufgehoben und immer mehr Menschen möchten sich – sei es in den Impfzentren oder bei Hausärztinnen und -ärzten – impfen lassen. Vor der Feststellung der Impftauglichkeit sind aber im ärztlichen Impfgespräch eventuelle Kontraindikationen zu prüfen. Sollte es zu einer schwerwiegenden Impfkomplikation wie einer allergischen Reaktion kommen, müssen unter Umständen Notfallmaßnahmen eingeleitet werden. Auf Fragestellungen rund um das Thema "SARS-CoV-2-Impfung und Anaphylaxie" ging Professorin Dr. med. Bettina Wedi von der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie der Medizinischen Hochschule Hannover in einer Online-Fortbildung der Ärztekammer Niedersachsen ein. 

Zwar sei noch nicht geklärt, wie die Reaktion auf die SARS-CoV-2-Impfstoffe genau einzuschätzen sei, räumte Wedi zu Beginn ihres Vortrags ein. Wichtig sei aber, die anaphylaktischen Reaktionen gemäß der in der S2-Leitlinie zu Akuttherapie und Management der Anaphylaxie publizierten Schweregradskala zu klassifizieren. Dabei müsse die allergische Reaktion allerdings von einer Impfreaktion abgegrenzt werden.

"Anaphylaxien sind sehr selten", beruhigte Wedi die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fortbildung und meist träten sie in den ersten 15 bis 30 Minuten auf. Wenn es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu einer vehementen anaphylaktischen Reaktion kommt, ist Wedi zufolge Adrenalin das Mittel der Wahl: "Die intramuskuläre Verabreichung von Adrenalin – vorzugsweise mittels Autoinjektor – ist unter ambulanten Bedingungen Goldstandard bei der Behandlung der Anaphylaxie ab Grad II."

Ruben Bernau, niedergelassener Facharzt für Allgemeinmedizin in Hambergen, ergänzte seine Erfahrungen aus der Praxis. Er riet zu regelmäßigen Schulungen mit einem Indoor-Trainer, um dem Team in verschiedenen Szenarien Sicherheit zu geben: "Alle müssen die eigenen Aufgaben und die Abläufe kennen."

Die Fortbildung "SARS-CoV-2-Impfung und Anaphylaxie" (2 Fortbildungspunkte) kann noch bis zum 30. September 2021 auf dem E-Learning-Portal der Ärztekammer Niedersachsen absolviert werden.

Weitere Informationen und Materialien:

Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie e.V. (DGAI)

Patienteninformation „Allergie und COVID-19-Impfung“ der DGAI

Information für Ärzte „Leitfaden Allergien auf COVID-19-Impfstoffe“ des Ärzteverbands Deutscher Allergologen e.V.

Flussdiagramm zum Vorgehen bei positiver Allergieanamnese vor COVID-19-Impfung vom Paul-Ehrlich-Institut und Robert Koch-Institut
 

Zurück