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Presse Hannover, (ÄKN)
Im Gespräch beim Live-Talk der ÄKN anlässlich der Aktionswoche Alkohol: Jenny Lehnert-Ott, Suchttherapeutin und Leiterin Prävention der Suchtberatungsstelle prisma gGmbH, Dr. med. Frank Fischer, Leiter der Sucht- und Traumatherapiestation Teen Spirit Island des Kinderkrankenhauses AUF DER BULT, Moderator Thomas Spieker, ÄKNIm Gespräch beim Live-Talk der ÄKN anlässlich der Aktionswoche Alkohol: Jenny Lehnert-Ott, Dr. med. Frank Fischer und Moderator Thomas Spieker. Foto: ÄKN
Welche Rolle spielen die Pandemie und das soziale Umfeld und inwiefern äußert sich Sucht bei Kindern und Erwachsenen anders? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des jüngsten ÄKN-Live-Talks mit Jenny Lehnert-Ott, Suchttherapeutin und Leiterin Prävention der Suchtberatungsstelle prisma gGmbH, und Dr. med. Frank Fischer, Leiter der Sucht- und Traumatherapiestation "Teen Spirit Island" des Kinderkrankenhauses AUF DER BULT in Hannover.

Anlässlich der Aktionswoche Alkohol waren im jüngsten ÄKN-Live-Talk Jenny Lehnert-Ott, Suchttherapeutin und Leiterin Prävention der Suchtberatungsstelle prisma gGmbH und Dr. med. Frank Fischer, Leiter der Sucht- und Traumatherapiestation "Teen Spirit Island" des Kinderkrankenhauses AUF DER BULT in Hannover zu Gast. Im Gespräch mit Moderator Thomas Spieker sprachen die beiden über Alkoholsucht, Suchttherapie und mögliche Risikofaktoren.

Sucht sei noch immer ein Tabuthema, insbesondere Alkohol gehöre bei gesellschaftlichen Anlässen oft dazu und werde dadurch bagatellisiert, warnte Lehnert-Ott: "Ein erhöhter Konsum baut sich über viele Jahre auf und dann ist es oft zu spät, weil sich die Sucht bereits entwickelt hat." Die Pandemie habe "wie ein Brennglas" auf das Thema Sucht gewirkt, berichtete die Therapeutin: "Der Konsum war im Homeoffice schwieriger zu verstecken." Dadurch seien viele Menschen frühzeitig therapeutisch behandelt worden. In der Kommunikation mit Süchtigen seien eine akzeptierende Grundhaltung und Gespräche auf Augenhöhe wichtig, betonte Lehnert-Ott. Gleichzeitig würden der Fachkräftemangel und eine unzureichende Finanzierung die Beratungsstellen jedoch vor große Herausforderungen stellen. Auf politischer Ebene gelte es zudem, präventiv vorzugehen, ergänzte der Kinder- und Jugendpsychiater Dr. med. Frank Fischer: "Wir brauchen eine ehrliche Haltung gegen Drogen", forderte er außerdem.

Denn von Suchterkrankungen sind auch Minderjährige betroffen, die etwa in der Sucht- und Traumatherapiestation "Teen Spirit Island" des Krankenhauses AUF DER BULT versorgt werden. "Kinder fordern uns anders heraus", berichtete Fischer. Neben dem therapeutischen Auftrag übernehme das Team bei der Behandlung auch elterliche Funktionen, während bei Erwachsenen mehr Eigenverantwortung bei den Betroffenen verbleibe. Sucht resultiere häufig aus Bindungs-, Angst- oder auch Traumafolgestörungen, so Fischer. Deshalb habe das soziale Umfeld einen besonderen Einfluss: "Sucht hat eine extrem bindende Funktion", erklärte der Oberarzt. Oft sei die Sucht "Symptomträger für das, was seit Generationen schwelt". Auch aus diesem Grund sei es im Therapieverlauf wichtig, Risikofaktoren aus der Kindheit miteinzubeziehen, betonte der Leiter von "Teen Spirit Island".

Die 41. Live-Talk-Folge vom 16. Mai 2022 kann im Nachgang auf dem YouTube-Kanal der Ärztekammer angesehen werden.

(Hinweis: Mit Quellenangabe ist der Talk für alle Radio- und Fernsehsender nutzbar. Gerne stellen wir Ihnen für die redaktionelle Verwendung separate Audio- oder Video-Dateien zur Verfügung.)

Seit März 2020 bietet die Ärztekammer Niedersachsen einen regelmäßigen Live-Talk zu aktuellen Fragen der Gesundheitsversorgung mit Expertinnen und Experten aus Politik, Wirtschaft und Medizin an. Alle bisherigen 41 Folgen finden Sie auf dem YouTube-Kanal der ÄKN.

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Kontakt: Thomas Spieker, Leiter Kommunikation und Pressesprecher der Ärztekammer Niedersachsen, Telefon: 0511 380-2220, E-Mail: kommunikation(at)aekn.de

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