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Presse Hannover, (ÄKN)
Foto:wbg/äknGäste im Studio waren Ramona Pold, Sozialarbeiterin und Teamleitung Wohnungslosenhilfe, Dr. med. Thomas Buck, Kinderarzt, ÄKN-Vorstandsmitglied und Vorsitzender der ÄKN-Bezirksstelle Hannover sowie vom Caritasverband Hannover Monika Nordhorn, Teamleitung der Straßenambulanz (v.l.n.r.). Foto:wbg/äkn
Im 44. Live-Talk der Ärztekammer Niedersachsen stand das Thema Wohnungslosenmedizin im Fokus und die Frage, wie sich die Lebenssituation wohnungsloser Menschen nachhaltig verbessern kann. Wohnungslosigkeit könne jeden Menschen treffen, betonten die Talkgäste und forderten menschenwürdige Unterbringungen, bezahlbaren Wohnraum sowie bessere Unterstützung für wohnungslose Kinder und Jugendliche.

Die Lebenswirklichkeit von wohnungslosen Menschen und die Auswirkungen auf ihre gesundheitliche und soziale Versorgung standen im Fokus der 44. Folge des Live-Talks der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) am 20. Juni. Zu Gast waren vom Caritasverband Hannover Monika Nordhorn, Teamleitung der Straßenambulanz, und Ramona Pold, Sozialarbeiterin und Teamleitung Wohnungslosenhilfe, sowie Dr. med. Thomas Buck, Kinderarzt, ÄKN-Vorstandsmitglied und Vorsitzender der ÄKN-Bezirksstelle Hannover. Im Gespräch mit Moderator und ÄKN-Kommunikationschef Thomas Spieker sprachen die drei Gäste über strukturelle, rechtliche und finanzielle Herausforderungen im Leben von wohnungslosen Menschen und deren Betreuung und stellten die Bedeutung von engmaschigen Unterstützungsnetzwerken für wohnungslose Menschen in den Vordergrund.

Auf die Frage, was Politik und Gesellschaft im Umgang mit wohnungslosen Menschen ändern sollten, fanden die drei Gäste klare Antworten. Ramona Pold, die sich nach vielen Jahren Tätigkeit in der ambulanten Gesundheitsversorgung bewusst für die Arbeit mit und die Betreuung von Wohnungslosen entschieden hat, stellte die Würde eines Menschen auf eine adäquate Unterbringung in den Fokus. Nach dem Grundsatz „Housing First“ forderte die erfahrene Sozialarbeiterin und Teamleitung Wohnungslosenhilfe beim Caritasverband Hannover: „Wir brauchen eine vernünftige Unterbringung für wohnungslose Menschen. Die Möglichkeit, auch mal die Tür hinter sich schließen zu können, ist enorm wichtig.“ Darüber hinaus müsse die Betreuung von wohnungslosen Kindern und Jugendlichen verbessert werden: Kinder benötigten einen gesicherten Zugang zu Bildung, Teilnahme an Schulunterricht sowie Unterstützung bei Hausaufgaben. Im Sinne des gesetzlichen Auftrags (SGB8) sei es wichtig, dass auch wohnungslose Kinder vernünftig versorgt werden. Dafür ist laut Pold auch in der Betreuung mehr Unterstützung des Ehrenamts durch hauptamtliche Mitarbeitende notwendig.

Kinderarzt Buck pflichtete bei und forderte eine "Selbstverständlichkeit" im Umgang mit Wohnungslosen: "Es muss selbstverständlich sein, dass wohnungslose Menschen nicht mehr auf der Straße leben, sondern wir sie in ein normales Leben zurückholen." Die Erfahrungen der Caritas zeigten, dass dies möglich sei, betonte Monika Nordhorn. 40 Prozent der Personen, die zeitweise eine von der Caritas zur Verfügung gestellte Krankenwohnung nutzten, könnten auch danach mit Wohnraum versorgt werden, unterstützte Nordhorn Bucks Einschätzung. Um Menschen auch langfristig aus der Wohnungslosigkeit zu helfen, ergänzte sie mit einem sozialpolitischen Appell: "Es muss günstiger Wohnraum her und es reicht kleiner Wohnraum!" So wären auch Wohngemeinschaften oder andere Wohnformen für die Betroffenen zunächst gute Lösungen, um einem "normalen Leben" einen Schritt näher zu kommen.

Die 44. Live-Talk-Folge vom 20. Juni 2022 können Sie auf dem YouTube-Kanal der Ärztekammer sowie über die Webseite der ÄKN ansehen.

(Hinweis: Mit Quellenangabe ist der Talk für alle Radio- und Fernsehsender nutzbar. Gerne stellen wir Ihnen für die redaktionelle Verwendung separate Audio- oder Video-Dateien zur Verfügung.)

Seit März 2020 bietet die Ärztekammer Niedersachsen einen regelmäßigen Live-Talk zu aktuellen Fragen der Gesundheitsversorgung mit Expertinnen und Experten aus Politik, Wirtschaft und Medizin an. Alle bisherigen 44 Folgen finden Sie auf dem YouTube-Kanal der ÄKN.

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Kontakt: Thomas Spieker, Leiter Kommunikation und Pressesprecher der Ärztekammer Niedersachsen,
Telefon: 0511 380-2220, E-Mail: kommunikation(at)aekn.de

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