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Hannover Hannover, (ÄKN)

Die Fortbildungsveranstaltung "Corona-Update 2.0" der ÄKN- Bezirksstelle Hannover vom 10. Februar 2021 gab spannende Insights zu Impfstoffen gegen COVID-19, Umgang mit Impfkritik sowie Folgen einer COVID-19-Erkrankung.

Bei der digitalen Fortbildung der ÄKN-Bezirksstelle Hannover rund um den Vorsitzenden der Bezirksstelle und ÄKN-Landesvorstand Dr. med. Thomas Buck erhielten Teilnehmende und Zuschauende interessante Informationen zu aktuellen Themen rund um COVID-19 – aufbereitet und bewertet von namhaften Expertinnen und Experten aus Medizin, Forschung und Öffentlichem Gesundheitsdienst.

In der als Live-Video-Konferenz und Live-Stream digital übertragenen Informationsveranstaltung "Corona Update 2.0" der ÄKN-Bezirksstelle Hannover am 10. Januar 2021 gaben fünf Expertinnen und Experten aus Medizin, Forschung und Öffentlichem Gesundheitsdienst detailierte Einblicke zu aktuellen Themen rund um COVID-19. Es ging u. a. um Folgen einer COVID-19-Erkrankung bei Kindern und Erwachsenen, Stand der Impfstoff-Entwicklung sowie Umgang mit Impfkritik. Im Nachgang jedes Einzelvortrags beantworteten die Referentinnen und Referenten Fragen von Ärztinnen und Ärzten. Diese übermittelte ÄKN-Kommunikationschef und Moderator der Veranstaltung Thomas Spieker an die Vortragenden.

Der erste Vortragende war Stefan Arens, Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin und Oberarzt am Kinder- und Jugendkrankenhaus "Auf der Bult" in Hannover. Er gab den Zuschauenden interessante Einblicke und Fallbeispiele zum Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrome, einem Krankheitsbild, das bei Kindern im Zusammenhang mit einer SARS-CoV-2-Infektion auftreten kann.

Über die niedersächsische  Impfstrategie, Impfpriorisierungen der STIKO, Wirkungsweisen und Besonderheiten von bereits zugelassenen Impfstoffen sowie Anwendungstipps für die Verabreichung von Impfstoffen referierte Dr. med. Maria Katharina Hüppe, Ärztin für Öffentliches Gesundheitswesen und Leiterin des Gesundheitsamts des Landkreises Hildesheim in ihrem Vortrag "Impfen leicht gemacht für Jedermann?".

Eine psychologische Perspektive nahm Dorothee Heinemeier, Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin an der Universität Erfurt, ein. In ihrem Vortrag "Impfen aus psychologischer Sicht – Umgang mit Impfkritik", stellte sie u. a. verschiedene Haltungen zu Impfen vor und erklärte den generellen Unterschied zwischen Skepsis und Leugnung. Zudem gab sie Ärztinnen und Ärzten konkrete Kommunikationshilfen zum Umgang mit unterschiedlichen Impf-Haltungen an die Hand und gab Tipps, wie Behandelnde auf eine unterschiedlich ausgeprägte Impfbereitschaft von Patientinnen und Patienten reagieren können.

"Aktuelles zur Corona-Pandemie" fasste Dr. med. Matthias Pulz, Präsident des Niedersächsischen Landesgesundheitsamts zusammen. Er thematisierte das aktuelle Infektionsgeschehen, ging auf die diskutierte Wirksamkeit der Impfstoffe im Hinblick auf Virusmutanten ein und thematisierte auch die aufgetauchten COVID-19-Erkrankungen bei bereits geimpften Personen in einem niedersächsischen Seniorenheim. Zudem erklärte er die aktuelle Impfstrategie und die regionale Verteilung von Impfzentren.

Zum Thema "Postcovid-Syndrom aus Sicht eines Klinikers", sprach Professor Dr. med. Tobias Welte, Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie und Direktor der Klinik für Pneumologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), im abschließenden Beitrag der digitalen Informationsveranstaltung. Welte erläuterte aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zur Wirkungsweise des SARS-CoV-2-Virus und zum Verlauf einer COVID-19-Erkrankung. Auch aktuelle Forschungsergebnisse sowie seine Einschätzungen zu Therapieansätzen gegen COVID-19 wie etwa einer Behandlung mit Remdesivir teilte er mit den Zuschauenden. Darüber hinaus sprach er über Impfstoffe und das sogenannte Long-Covid-Syndrom, eine Langzeit-Erkrankung, die sich nach einer überstandenen COVID-19-Infektion mit unterschiedlichen Symptomen bei Betroffenen einstellen kann.  

Highlights aus den Vorträgen:

PIMS – Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrome
Stefan Arens, Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Oberarzt am Kinder- und Jugendkrankenhaus „Auf der Bult“, Hannover

"Ich habe sonst nur selten Kinder gesehen, die nach einem Infekt ein inflammatorisches Krankheitsbild hatten, das sich nicht so richtig gebessert hat, die dann ein bis zwei Wochen Fieber hatten, hohe Entzündungszeichen, ohne dass man so richtig etwas finden konnte. Von diesen Kindern habe ich so ein, zwei pro Jahr gesehen und [in der ersten COVID-19-Infektionswelle] [..] waren es auf einmal innerhalb von acht Wochen vier bis fünf Kinder mit diesem Krankheitsbild." (ab Minute 9:14 im Vortrag auf Youtube)  


Impfen leicht gemacht für Jedermann?
Dr. med. Maria Katharina Hüppe, Ärztin für Öffentliches Gesundheitswesen und Leiterin des Gesundheitsamts des Landkreises Hildesheim  

"Wer bereits eine Impfung mit einem Impfstoff bekommen hat, der sollte dann auch die zweite Impfung mit diesem Impfstoff bekommen, die Charge ist dabei irrelevant, aber es sollte der gleiche Impfstoff sein." (Ab Minute 36:14 im Vortrag auf Youtube)

"…] Wenn wir den Fall haben, dass Menschen, die bereits eine COVID-19 Impfung erhalten haben und in der Zeit bis zur zweiten Dosis an COVID-19 erkranken, dann würde man sagen, da wartet man mit der zweiten Impfung mindestens sechs Monate."  (ab Minute 52)


Impfen aus psychologischer Sicht – Umgang mit Impfkritik

Dorothee Heinemeier, Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin im Projekt „Impfen60+“, Universität Erfurt

"Aktuell liegt die Impfbereitschaft gegenüber einer COVID-19 Impfung in Deutschland laut dem COVID-19 Snapshot Monitoring der Universität Erfurt (COSMO) bei 61 Prozent. […] Dabei ist Vertrauen in Impfungen bei der COVID-19-Impfung der wichtigste Einflussfaktor auf die Impfbereitschaft."
(ab Minute 1:05:11 im Vortrag)


Aktuelles zur Corona-Pandemie
Dr. med. Matthias Pulz, Präsident des Niedersächsischen Landesgesundheitsamts (NLGA)  

„Wie das mit den Mutanten aussieht in Bezug auf die Wirksamkeit der Impfstoffe ist eine Frage, die uns auch noch in Zukunft weiter beschäftigen wird, wenn die Varianten weiter Fuß fassen.Ich gehe davon aus, dass schon eine Wirkung da ist, aber es wird möglicherweise in der Zukunft dazu führen, dass die Impfstoffe dann angepasst werden. Das ist natürlich nicht von heute auf morgen möglich.“ (ab 1:53:39)


Postcovid-Syndrom aus Sicht eines Klinikers
Professor Dr. med. Tobias Welte, Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie, Direktor der Klinik für Pneumologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH)  

„[...] Dann ist die zweite Frage, die ich immer wieder bekomme – [AstraZeneca] 75, Biontech 90 – „Ich will nur den besseren Impfstoff“. Das halte ich tatsächlich für eine Petitesse. Entscheidend ist, wirkt diese Impfung gegen einen schweren Verlauf. Und da kann man sehr sicher sagen, das tun alle Impfstoffe, die momentan im Markt sind und die in kurzer Zeit von der EMA zugelassen werden. Und jeder soll froh sein, wenn er eine Impfung bekommt und nicht auf das vermeintlich Bessere schielen. Das ist so ein deutsches Phänomen, das Gras ist immer grüner in Nachbars Garten. In diesem Fall ist das völlig unzutreffend und belastet nur die Debatte.“ (ab 2:53:03 im Vortrag)


Die Aufzeichnung der Inhalte kann auf dem YouTube-Kanal der ÄKN abgerufen werden. Mitglieder der ÄKN können für diese Veranstaltung Fortbildungspunkte erhalten: Ab dem 16. Februar 2021 stehen die Videos zum Selbststudium auf der E-Learning-Plattform der ÄKN bereit.
(Hinweis: Mit Quellenangabe „ÄKN“ ist der Talk für alle Radio- und Fernsehsender nutzbar.)

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