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Aurich Hannover, (ÄKN)
(v.l.n.r.): Professor Dr. med. Michael Freitag, Dr. med. Wolfram Nagel, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit Gattin Elke Büdenbender und Ministerpräsidentn Stephan Weil
Im Landkreis Wittmund engagieren sich Kommunalpolitiker und Ärzteschaft für die Ärztliche Aus- und Weiterbildung / Viele örtliche Hausarztpraxen gewähren Studierenden Einblick in die Arbeit von Allgemeinmedizinern.

Trotz Pandemie wird die Ausbildung und Förderung von Medizinstudierenden und jungen Ärztinnen und Ärzten im Landkreis Wittmund großgeschrieben. Allein in einer der Lehrpraxen im Landkreis wurden in den vergangenen 10 Jahren 100 Studierende ausgebildet. Landrat Holger Heymann konnte jetzt die 100. Studentin, Rebecca Ohlenbusch, mit einem Blumenstrauß willkommen heißen: "Sie nutzen die Chance, für eine Zeit lang bei uns zu leben und zu arbeiten. Wir hoffen natürlich, dass wir Sie davon überzeugen können, dass es für Sie eine denkbare Alternative ist, irgendwann Ihre Zelte endgültig bei uns aufzuschlagen – im wunderschönen Landkreis Wittmund, wo Deutschland gerne Urlaub macht."

Verbundweiterbildung-Nordsee für das Fach Allgemeinmedizin

Der Landkreis fördert seit Jahren die ärztliche Ausbildung sowohl in den Hausarztpraxen als auch im Krankenhaus Wittmund, wo er für die Weiterbildung im Fach Allgemeinmedizin sogar zwei zusätzliche Stellen geschaffen hat. Außerdem kooperieren Krankenhaus und Hausarztpraxen im Rahmen der Verbundweiterbildung-Nordsee, um eine qualifizierte und koordinierte Weiterbildung im Fach Allgemeinmedizin anzubieten. Zusätzlich heißt der Landkreis im Jahr 2020 zum dritten Mal die Studierenden der Landpartie Harlingerland willkommen. In diesem besonderen Format können Studierende der Medizinischen Fakultät in Oldenburg ihr Blockpraktikum Allgemeinmedizin angereichert mit medizinischen Exkursionen in qualifizierten Lehrpraxen im Landkreis Wittmund absolvieren. Der Landkreis Wittmund erhielt ferner 2019 die Anerkennung als Gesundheitsregion im Land Niedersachsen und ist mit dem Projekt „Land(Er)Leben – Medizin lernen und leben von Jade bis Weser“ vernetzt. Durch diese politischen Initiativen werden die Bemühungen zur Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten wesentlich unterstützt.

Fast die Hälfte der Hausarztpraxen  sind Lehrpraxen

Getragen wird dieses Engagement in besonderem Maße von der Ärzteschaft vor Ort. Fast die Hälfte der Hausarztpraxen sind Lehrpraxen. Studierende werden von den medizinischen Hochschulstandorten in Niedersachsen entsandt, schwerpunktmäßig von der medizinischen Fakultät in Oldenburg. Hier besteht eine enge Zusammenarbeit vor allem mit der Abteilung für Allgemeinmedizin unter der Leitung von Professor Dr. med. Michael Freitag, MPH. In den Praxen lernen die Studierenden Hausarztmedizin auf dem Land mit allen Herausforderungen und Besonderheiten kennen (und lieben). Immerhin hat ein Großteil der jungen Kolleginnen und Kollegen im Landkreis die Region bereits selbst während des Studiums kennengelernt und zwei Drittel der Kolleginnen und Kollegen aus der Verbundweiterbildung-Nordsee arbeiten noch im Landkreis. Das Kompetenzzentrum Allgemeinmedizin Niedersachsen (KANN) begleitet die Weiterbildung für Allgemeinmedizin mit einem strukturierten Seminar-Curriculum. Die Seminare finden dabei nicht nur an den Uni-Standorten, sondern auch in Praxen wie etwa im Landkreis Wittmund statt.

Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) hat einen erheblichen Landarztmangel bis 2030 errechnet. Das Land hat dieses Problem erkannt und die Zahl der Studienplätze angehoben. Allein in Oldenburg soll die Zahl der Studierenden von anfangs 40 – und derzeit 80 – auf 200 im Jahr 2025 steigen. Ohne den dringend benötigten ärztlichen Nachwuchs wird die Versorgung der Bevölkerung mittelfristig nicht aufrecht zu erhalten sein. Im Rahmen des Aufwuchses der Oldenburger Fakultät werden ferner mehr PJ-Stellen in Akademischen Lehrkrankenhäusern benötigt. Auch an dieser Stelle engagieren sich die Wittmunder Kollegen. Das dortige Krankenhaus wird derzeit mit großem Aufwand und Unterstützung aus Landesmitteln weiter qualifiziert.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, seine Gattin Elke Büdenbender sowie der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil besuchten im vergangenen Jahr den Landkreis Wittmund, auch um sich über die Aus- und Weiterbildungsbemühungen für junge Ärztinnen und Ärzte vor Ort zu informieren. Der Ministerpräsident sagte damals seine Unterstützung für eine Bewerbung des Wittmunder Krankenhauses als Akademisches Lehrkrankenhaus zu. Dazu ist nun ein Sondierungstreffen mit Sozialministerin Dr. rer. nat. Carola Reimann geplant. „Diese Anerkennung wäre ein großer Gewinn, um die Versorgung in der Fläche zu gewährleisten“, sagt Dr. med. Hagen Behnke, der ärztliche Direktor des Krankenhauses in Wittmund: „Zwei Drittel der PJ-Studierenden bewerben sich erfahrungsgemäß an ihren Lehrkrankenhäusern.“  So hoffen die engagierten Kolleginnen und Kollegen aus der Ärzteschaft der Region, dass Politik und Körperschaften die großen Anstrengungen zum Wohle der Bevölkerung honorieren. Die nächsten Praktika für Studierende sind bereits terminiert bis weit ins Jahr 2021.

Autor: Dr. med. Wolfram Nagel, MAE
Vorsitzender der Kreisärzteschaft Wittmund

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