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Presse Hannover, (ÄKN)
Dünen mit Wasserturm auf Langoog. Foto: Christine GanschinietzFoto: Christine Ganschinietz
Zwei Talkrunden der Ärztekammer Niedersachsen auf der Insel Langeoog zu aktuellen Themen der Sportmedizin und den komplexen Herausforderungen der Berufspolitik.

Der Sportmedizin widmet sich in diesem Jahr eine Reihe von Vorträgen während der "Woche der Praktischen Medizin" auf Langeoog. Nach zwei Jahren Pause kann die traditionelle Fortbildungsveranstaltung der Ärztekammer Niedersachsen wieder in Präsenz stattfinden und auch zwei ÄKN-Talks wurden jetzt von der Insel aus dem Strandhotel "Die Sandburg" gesendet.

Themen wie Sportverletzungen, chronische Krankheiten oder auch Präventionsmaßnahmen standen im Mittelpunkt der 42. Talkrunde mit den beiden niedersächsischen Hausärzten Jens Wagenknecht und Dr. med. Jörg Weißmann. Darauf, dass sich hierzulande viele Menschen zu wenig bewegen, ging zum Beispiel Wagenknecht, Vorstandsmitglied der Ärztekammer Niedersachsen und wissenschaftlicher Leiter der Langeooger Fortbildung für Hausärztinnen und -ärzte ein: "Das Chillen auf der Couch ist eine verlorene Zeit für den Stoffwechsel, für die Gelenke und für die Muskeln", berichtete der in Varel niedergelassene Facharzt für Allgemeinmedizin. "Wenn wir dem etwas entgegensetzen wie zum Beispiel zwei Mal wöchentlich eine halbe Stunde sportliche Betätigung, sehen wir schon nennenswerte Effekte", sagte Wagenknecht und bekräftigte seine Warnung: "Sitzen ist das neue Rauchen!"

Bewegungsmangel, wie er auch gerade während der Corona-Pandemie massiv anzutreffen war, führe ferner zur Volkskrankheit Rückenschmerzen - da waren sich die Talkgäste im Gespräch mit Thomas Spieker und Esther Schmotz vom Team Kommunikation der Ärztekammer einig. "Der Arbeitsplatz darf nicht so eingerichtet sein, dass ich mich nicht bewegen muss, um an den Drucker oder die Kaffeemaschine zu kommen", warnte etwa Weißmann, als niedergelassener Facharzt für Allgemeinmedizin auch spezialisiert auf Sportmedizin. Es müsse vielmehr alles möglichst weit voneinander entfernt sein, forderte er, denn es zähle jeder Schritt und jede Treppe. Deshalb war es beiden Ärzten ein zentrales Anliegen, dass Sportstätten und Schwimmbäder von jetzt an geöffnet bleiben: "Das ist eine Investiton in die Zukunft der Kinder", sagte Wagenknecht.

Um Themen wie den Ärztemangel oder die Digitalisierung des Gesundheitswesens ging es dann bei der berufspolitischen Talkrunde gestern auf Langeoog. Einig mit Thorsten Schmidt, dem Hauptgeschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), waren sich die beiden weiteren Gäste – die niedergelassenen Hausärzte Ruben Bernau und Jens Wagenknecht - zum Beispiel, dass digitale Anwendungen wie die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) oder auch die elektronische Patientenakte (ePA) noch nicht zufriedenstellend funktionierten. "Idee und Konzept für die Digitalisierung wurden am grünen Tisch gemacht", umriss Schmidt das Problem aus seiner Sicht. Deshalb könnten die bisweilen 20 bis 30 Jahre alten Systeme in den Praxen oft nicht mit der neuen Technik interagieren. Er würde aktuell sogar einen kompletten Stopp befürworten, räumte Schmidt ein, auch wenn das kaum durchzusetzen sei. "Auf jeden Fall aber fordern wir mehr Tests in der Praxis und mit Praktikern bei der Einführung neuer digitaler Anwendungen", betonte der KVN-Hauptgeschäftsführer.

Dass von einer grundsätzlichen Abwehrhaltung technischen Neuerungen gegenüber in der Ärzteschaft allerdings keine Rede sein kann, zeigte sich im Talk ebenfalls: "Ich würde mir endlich eine gut funktionierende elektronische Patientenakte wünschen", stellte zum Beispiel Wagenknecht heraus. Denn die ePA sei ein Instrument, das ihm einen echten Mehrwert biete. Damit könne er sich das Suchen von Befunden und das Hinterhertelefonieren ersparen, beschrieb der Vareler Hausarzt seine Hoffnung. Doch auch Wagenknecht befürwortete weitere Testläufe: "Wir Ärztinnen und Ärzte sind zwar technikaffin und wir erwarten viel von der Digitalisierung, aber bis es zu einer Vereinfachung kommt, ist noch ein weiter Weg!"

Eine schnelle Lösung hatten die Talkgäste von Thomas Spieker und Esther Schmotz vom Kommunikationsteam der Ärztekammer Niedersachsen auch beim Thema Ärztemangel nicht parat: Bis sich eine Erhöhung von Studienplätzen zum Beispiel positiv auswirken könne, dauere es mindestens zehn Jahre, sagte Bernau. Der in Hambergen bei Bremen niedergelassene Hausarzt wartet deshalb nicht auf politische Entscheidungen, sondern setzt stattdessen darauf, Studierenden als Lehrpraxis der Universitätsmedizin Oldenburg frühzeitig die Vorteile einer Landarztpraxis nahe zu bringen: "Wir müssen sie abholen und auf dem Land halten", forderte Bernau. Der Vorteil seiner Praxis sei zum Beispiel, dass junge Ärztinnen und Ärzte von den Arbeitszeiten her so arbeiten könnten, wie es ihren Bedürfnissen entspreche: "Das geht in der Klinik nicht."

Weitere Themen wie das Akquirieren von Auszubildenden, die Landarztquote in Niedersachsen oder der Umgang mit potentiellen Maßnahmen für weitere Coronawellen finden Sie in den Mitschnitten zu den beiden Talks:

Den 42. Talk vom 31. Mai und die 43. Talk-Folge vom 1. Juni können Sie auf dem YouTube-Kanal der Ärztekammer, auf der Webseite der ÄKN ansehen oder auch direkt auf YouTube aufrufen.

(Hinweis: Mit Quellenangabe ist der Talk für alle Radio- und Fernsehsender nutzbar. Gerne stellen wir Ihnen für die redaktionelle Verwendung separate Audio- oder Video-Dateien zur Verfügung.)

Sie haben eine konkrete Frage an unsere Gäste? Schicken Sie uns diese gerne per E-Mail zu an: kommunikation(at)aekn.de.

Über die Langeooger Fortbildungswochen

Seit rund 70 Jahren veranstaltet die Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) mit wenigen Unterbrechungen die „Woche der Praktischen Medizin“ auf der Nordseeinsel Langeoog. Nachdem die Fortbildungen, die auf jegliches Firmensponsoring verzichten, während der Pandemie in den vergangenen beiden Jahren abgesagt werden mussten, nehmen in dieser Woche wieder 320 Ärztinnen und Ärzte aus ganz Deutschland an der Fortbildung teil.

Seit März 2020 bietet die Ärztekammer Niedersachsen einen regelmäßigen Live-Talk zu aktuellen Fragen der Gesundheitsversorgung mit Expertinnen und Experten aus Politik, Wirtschaft und Medizin an. Alle bisherigen Folgen finden Sie auf dem YouTube-Kanal der ÄKN.

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Kontakt: Thomas Spieker, Leiter Kommunikation und Pressesprecher der Ärztekammer Niedersachsen, Telefon: 0511 380-2220, E-Mail: kommunikation(at)aekn.de

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