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Aktuelles Hannover,
Das Bild zeigt die drei Gäste des Talks vom 14. November sowie Moderator Thomas Spieker. Antibiotikaresistenzen und wie diese verhindert werden war Thema im 49. ÄKN-Talk in Kooperation mit dem Niedersächsischen Landesgesundheitsamt (NLGA). Diesmal zu Gast: Dr. med. Oana Joean (MHH) (Mitte), NLGA-Präsident Dr. med. Fabian Feil (links) und Kinderarzt Dr. med. Thomas Buck zusammen mit Moderator Thomas Spieker (rechts).
Ursachen für die Resistenzentwicklung gegen Antibiotika, der Kampf gegen multiresistente Erreger, die schleppende Entwicklung von Reserveantibiotika sowie der Umgang mit Antibiotika in anderen Ländern standen im Mittelpunkt des aktuellen ÄKN-Talks mit Infektiologin Dr. med. Oana Joean (MHH), NLGA-Präsident Dr. med. Fabian Feil und Kinderarzt Dr. med. Thomas Buck.

Im aktuellen Talk der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) diskutierten die Gäste Dr. med. Oana Joean, Infektiologin an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Dr. med. Fabian Feil, Präsident des Niedersächsischen Landesgesundheitsamts (NLGA), und Dr. med. Thomas Buck, Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Vorsitzender der ÄKN-Bezirksstelle Hannover sowie Mitglied im ÄKN-Landesvorstand, über multiresistente Erreger und den Einsatz von Surveillance-Systemen zur Überwachung von Antibiotikaverbrauch und -resistenzen.

„Bereits jede antibiotische Gabe kann zu einer Resistenzentwicklung führen“, erklärte die Fachärztin für Innere Medizin Joean. Deshalb sei es wichtig, vor jeder Gabe zu überlegen, ob diese wirklich notwendig sei. Aus ihrer Erfahrung würden grundsätzlich sehr großzügig Antibiosen verordnet – mit erheblichen Konsequenzen für den Krankheitsverlauf von immunsupprimierten oder transplantierten Patientinnen und Patienten. Auch Buck plädierte für mehr Vorsicht bei der Verordnung von Antibiotika und wies daraufhin, dass gerade in der Kinderheilkunde in den vergangenen 30 Jahren kein neues Reserveantibiotika dazu gekommen sei. Diese werden verordnet, wenn Behandelte Resistenzen gegen Standard-Antibiosen entwickeln. „Das heißt, die paar Instrumente, die wir haben, müssen wir sorgfältig einsetzen“, so Buck. Dabei sei die Kinderheilkunde als Vorreiter zu sehen, da sie eine dezidierte Erreger-Diagnostik verfolge. „Gerade dort haben wir einige Fachgesellschaften, die sehr genau herunterbrechen, welche Antibiotika wir einsetzen, wie lange und in welcher Dosierung. Da sind wir der Erwachsenenmedizin voraus – das sollten wir nutzen“, forderte der Kinder- und Jugendarzt. Eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Antibiotika-Resistenzen spielt auch der MRSA-Erreger (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus). Dieser zeichnet sich Joean zufolge dadurch aus, dass er Genmutationen aufweist, die dafür sorgen, dass die Erstlinien-Antibiotika-Therapie nicht mehr wirkt. „Dies kann bei lebensbedrohlichen Infektionen in der Behandlung schon kritisch werden, da wir diese erste Waffe nicht mehr haben“, erläuterte die Infektiologin.  

NLGA-Präsident Feil bewertete die aktuelle Situation bezüglich des Auftretens von multiresistenten Keimen grundsätzlich positiv: Im Jahr 2009 waren mehr als 20 Prozent aller MRSA-Erreger penicillin-resistent, heute haben wir dies auf sieben Prozent reduziert und somit sehr gute Erfolge erreicht. Das ermutigt uns auch in der Erkenntnis, dass es nicht Schicksal ist, ob Antibiotika-Resistenzen auftreten, zeigt aber auch, dass es ein langwieriger Prozess ist“, berichtete Feil. Bei anderen Erregern allerdings sei eine Zunahme von Resistenzen zu beobachten – auch in der Pandemie sei diese Tendenz sichtbar gewesen. „Diese Entwicklung können wir aber rein über die Antibiotika-Gabe stark beeinflussen“, lautete Feils Fazit.

Insgesamt zeigten sich die Gäste bezüglich des Monitorings von Antibiotikaverbrauch und dem Auftreten multiresistenter Keime in Deutschland – auch im Vergleich zu anderen Ländern, wie Süd- oder Osteuropa – zuversichtlich. NLGA-Präsident Feil informierte zudem über das Antibiotika-Resistenz-Monitoring in Niedersachsen, kurz ARMIN, das mit 15 Laboratorien Resistenzen in ganz Deutschland erfasst. Auch wenn die Screening-Strategien beispielsweise in den Niederlanden deutlich strikter seien, forderte Joean dazu auf, hierzulande eine positive Einstellung zum Geschehen zu behalten: „Es gibt Luft nach oben, aber wir haben es in der Hand. Wir sind in Deutschland gut aufgestellt, es ist nicht kurz vor 12, sondern eher halb 12.“

Der Talk fand in Kooperation mit dem Niedersächsischen Landesgesundheitsamt (NLGA) anlässlich des Welt-Antibiotika-Tags statt.


Seit März 2020 veranstaltet die ÄKN regelmäßig Live-Talks zu aktuellen Themen mit Expertinnen und Experten aus Politik, Wirtschaft und Medizin.

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Kontakt:

Thomas Spieker, Leiter Kommunikation und Pressesprecher der Ärztekammer Niedersachsen

Telefon: 0511 380-2220, E-Mail: kommunikation(at)aekn.de

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