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Aktuelles Hannover, (ÄKN)

Warum sehr viele Kinder und Jugendliche unter den Einschränkungen der Pandemie leiden, wie Eltern und Familien ihre Schützlinge unterstützen können, was bei Covid-19-Impfungen der jungen Menschen zu beachten ist und warum für Kinder "Rausarrest" eine sinnvolle Maßnahme in der Pandemie sein kann – das alles waren Themen der aktuellen 25. Folge des Live-Talks "Zur Sache Corona" der ÄKN am Montag, 31. Mai. Im Studio waren der Infektiologe Professor Dr. med. Matthias Stoll, die Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie Dr. med. Gisela Schimansky sowie der Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin Dr. med. Thomas Buck zu Gast.

Der Talk – moderiert von ÄKN-Kommunikationschef Thomas Spieker – war thematisch in zwei Teile geteilt: In der ersten Hälfte sprach Professor Stoll über die derzeitige Impfsituation und die aktuelle Infektionslage in Niedersachsen und ordnete jüngste Erkenntnisse zu Medikamenten gegen COVID-19 ein. Auch auf die Risiko/Nutzen-Abwägung zu Impfungen bei Kindern ging er aus infektiologischer Perspektive ein. Er wies daraufhin, dass Kinder und Jugendliche grundsätzlich ein sehr geringes Risiko für einen schweren Verlauf bei einer Covid-19-Infektion haben. "Es gibt eigentlich kaum Fälle, die ins Krankenhaus müssen oder an Covid-19 gestorben sind. Und die wenigen, die es gibt, haben meist schon Vorerkrankungen gehabt." Deshalb befürwortete Stoll die bisherige Zurückhaltung bezüglich der Impfung von Kindern – auch aufgrund der bisher nicht ausreichenden Datenlage – und schlussfolgerte, dass "mit ganz wenigen Ausnahmen Kinder also am wenigsten von allen durch eine Impfung vor Gesundheitsschäden geschützt werden müssten".

Im zweiten Teil des Talks stand vor allem die Situation von Kindern und Jugendlichen während der Pandemie im Fokus.

Dr. Buck zeigte sich betroffen darüber, dass Kinder und Jugendliche in der Pandemie bisher schon sehr viele Einschränkungen hinnehmen mussten. Die Erwachsenen seien ihnen nun schuldig, soziale Teilhabe zu ermöglichen. "Das ist Hausarrest, ohne dass sie etwas ausgefressen haben", sagte Buck. Und jetzt auch noch Impfungen als einzige Möglichkeit zu diskutieren, um Kindern ihre Freiheiten zurückzugeben, dagegen stellte sich Buck vehement. "Kinder und Jugendliche müssen ihre Freiheiten wieder bekommen! Aber wir brauchen Hygieneregelungen und Testungen, damit wir das offenherzig machen können." So stellte der Vorsitzende der ÄKN-Bezirksstelle Hannover gerade Testungen an Schulen als sehr wirksam heraus. Die Fälle einer positiven Covid-19-Infektion seien äußerst selten. "Eine generelle Geiselhaft von so vielen Kinder und Jugendlichen für so wenige Infektionsfälle, das können wir nicht hinnehmen! Das ist anachronistisch – da müssen wir raus", war seine klare Forderung in der aktuellen Situation (ab Minute 27:59).

Auch Schimansky berichtete, dass die Pandemie an vielen Kindern nicht spurlos vorbei geht. So vernahm sie seit Beginn der Pandemie eine Zunahme von Angst- und Panikstörungen sowie Zwangserkrankungen und Ess-Störungen bei ihren jungen Patientinnen und Patienten.
Sie stellte auch die hohe Bedeutung von gleichaltrigen "Peers" für die Entwicklung von Kindern und Jugendliche heraus. Gerade in Gesprächen mit den jungen Menschen würde vor allem das Fehlen der gleichaltrigen Kontakte und gemeinsamen Aktivitäten immer wieder als sehr belastend beschrieben. Ihr dringender Appell an Eltern und Erziehungsberechtigte lautete, "bitte unter Beachtung der aktuell geltenden Bestimmungen das Treffen gleichaltriger Peers zu ermöglichen."
Zur Frage nach den Anzeichen, die signalisieren, ob ein Kind oder Jugendlicher professionelle Unterstützung benötigt, nannte die Expertin, vor allem deutliche Veränderungen im Verhalten. Sie riet Betroffenen, hier auch zunächst das Gespräch mit dem Kind zu suchen. Wenn Kinder sich zudem von der Familie zurückziehen würden und dieser Rückzug nicht durch andere Faktoren erklärbar sei wie den Eintritt der Pubertät, sei dies zusätzlich ein Anzeichen zum Aufhorchen. Auch eine beobachtete Trostlosigkeit und Perspektivlosigkeit, etwa morgens beim Aufstehen oder wenn Kinder und Jugendliche die Körperpflege verweigern würden, könnten Hinweise auf einen vorliegenden Unterstützungsbedarf sein, ergänzte Buck.

Mit Blick auf die Zukunft und auf die Frage, was die Älteren für die Jüngeren tun könnten, waren sich die beiden Gäste einig. "Wir müssen die Jüngeren fragen, was sie brauchen!", sagte Buck. "Einfach, mit offenen Augen." Und Schimansky pflichtete bei: "Die haben Ideen, das ist sicher!"

Erfahren Sie mehr und schauen Sie sich die vollständige Aufzeichnung an. Der Mittschnitt der erkenntnisreichen Diskussion kann jetzt auf der Webseite der ÄKN oder auf dem YouTube-Kanal jederzeit abgerufen werden.
(Hinweis: Mit Quellenangabe "ÄKN" ist der Talk für alle Radio- und Fernsehsender nutzbar.)

Bildmaterial des Talks zur redaktionellen Verwendung finden Sie zum Download hier:
Bild 1

Bild 2

Bild 3

Bildunterschriften:
zu Bild 1: Prof. Dr. med. Matthias Stoll spricht mit ÄKN-Kommunikationschef Thomas Spieker über die aktuelle Infektionslage, Boostern von Impfstoffen und Impfungen bei Kindern. Foto: ÄKN

zu Bild 2 und 3: Die Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie Dr. med. Gisela Schimansky und der Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin Dr. med. Thomas Buck (links) diskutieren im Live-Talk vom 31. Mai 2021 mit ÄKN-Kommunikationschef Thomas Spieker über die Situation von Kindern und Jugendlichen in der Pandemie. Foto: ÄKN

Wenn Sie die kostenfreien Fotos für Ihre Berichterstattung nutzen, bitten wir Sie das folgende Copyright für den Fotohinweis zu nennen: ÄKN.


Kontakt:
Thomas Spieker, Leiter Kommunikation und Pressesprecher der Ärztekammer Niedersachsen
Telefon: 0511/380-2220, E-Mail: kommunikation(at)aekn.de

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