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121. Deutscher Ärztetag: Grünes Licht für ausschließliche Fernbehandlung

Erfurt, 11. Mai 2018 (äkn) - Nach intensiver Beteiligung niedersächsischer Delegierter an der Diskussion um das Thema Fernbehandlung beschloss der 121. Deutsche Ärztetag in Erfurt am 10. Mai mit überwältigender Mehrheit eine Neufassung des § 7 Absatz 4 der (Muster-)Berufsordnung für die in Deutschland tätigen Ärzte. Damit ebneten die Delegierten den berufsrechtlichen Weg für die ausschließliche Fernbehandlung von Patienten.

"Die Fernbehandlung sollte an die Niederlassung in einer Praxis gebunden werden" - das forderte der niedersächsische Delegierte Dr. Thomas C. Stiller in der Diskussion. Foto: Jürgen Gebhardt"Die Fernbehandlung sollte an die Niederlassung in einer Praxis gebunden werden" - das forderte der niedersächsische Delegierte Dr. Thomas C. Stiller in der Diskussion. Foto: Jürgen Gebhardt

In einer Entschließung betonte der Ärztetag darüber hinaus die Notwendigkeit, Beratungen und Behandlungen aus der Ferne in die bestehenden Versorgungsstrukturen einzubinden. Die Abgeordneten des Ärztetags sprachen sich damit gegen den Aufbau eines neuen eigenständigen Versorgungsbereichs einer telemedizinischen Primärversorgung aus, insbesondere in Form kommerziell betriebener Callcenter. Der entsprechende Entschließungsantrag war von den Delegierten der Ärztekammer Niedersachsen eingereicht worden.

Ebenfalls angenommen wurde ein Beschlussantrag, den die niedersächsischen Delegierten Jens Wagenknecht (Vorstandsmitglied), Ruben Bernau und Marion Charlotte Renneberg (Vizepräsidentin) neben Dr. Norbert Metke aus der Landesärztekammer Baden-Württemberg eingereicht hatten. Demnach wird der Vorstand der Bundesärztekammer aufgefordert, "in den weiteren Beratungen zur Ausgestaltung des neu gefassten § 7 Absatz 4 der (Muster-)Berufsordnung (MBO) sicherzustellen, dass die weiterbehandelnde Ärztin oder der weiterbehandelnde Arzt über die stattgehabte Beratung und Behandlung zu informieren ist."

Die in Erfurt verabschiedeten Neuregelungen entsprechen den Forderungen des letztjährigen Deutschen Ärztetags in Freiburg, einerseits die Behandlung und Beratung aus der Ferne unter bestimmten Anforderungen zu ermöglichen und andererseits den persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt weiterhin in den Vordergrund zu stellen. "Wir wollen und müssen diesen Prozess gestalten und dieses Feld mit unserer ärztlichen Kompetenz besetzen", sagte Dr. Josef Mischo, Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer und Vorsitzender der Berufsordnungsgremien der Bundesärztekammer, vor den 250 Abgeordneten des Deutschen Ärztetage. Mischo stellte klar, dass digitale Techniken die ärztliche Tätigkeit unterstützen sollen. Sie dürften aber nicht die notwendige persönliche Zuwendung von Ärztinnen und Ärzten ersetzen. "Der persönliche Arzt-Patienten-Kontakt stellt weiterhin den 'Goldstandard' ärztlichen Handelns dar", betonte Mischo.

Eine ausschließliche Fernbehandlung liegt dann vor, wenn eine ärztliche Beratung oder Behandlung stattfindet, ohne dass zumindest ein persönlicher physischer Kontakt zwischen Arzt und Patient stattgefunden hat.

Der geänderte § 7 Absatz 4 der (Muster-)Berufsordnung lautet:

"Ärztinnen und Ärzte beraten und behandeln Patientinnen und Patienten im persönlichen Kontakt.

Sie können dabei Kommunikationsmedien unterstützend einsetzen.

Eine ausschließliche Beratung oder Behandlung über Kommunikationsmedien ist im Einzelfall erlaubt, wenn dies ärztlich vertretbar ist und die erforderliche ärztliche Sorgfalt insbesondere durch die Art und Weise der Befunderhebung, Beratung, Behandlung sowie Dokumentation gewahrt wird und die Patientin oder der Patient auch über die Besonderheiten der ausschließlichen Beratung und Behandlung über Kommunikationsmedien aufgeklärt wird."

Nach der in Erfurt beschlossenen Änderung des § 7 Absatz 4 der (Muster-)Berufsordnung ist der nächste Schritt die Übernahme dieser Regelung in die rechtsverbindlichen Berufsordnungen der Landesärztekammern.

Autor:
Jörg Blume


"So nah und doch so fern"

Ein Kommentar zur Liberalisierung des Fernbehandlungsverbotes von Dr. med. Thomas Carl Stiller, Delegierter der ÄKN und Stellvertretender Vorsitzender der Ausschüsse Sektorenübergreifende Versorgung sowie Qualität und Management

"Die Beschlüsse des Deutschen Ärztetages zur Liberalisierung des Fernbehandlungsverbotes modernisieren und erweitern die Behandlungsmethoden der deutschen Ärzteschaft. Sie sind aber kein Freibrief für kommerzielle Call Center Medizin. Die Debatte zur Liberalisierung des Freibehandlungsverbotes zeigte deutlich den realistischen Umgang mit den Möglichkeiten. Der Goldstandard wird auch weiterhin die direkte Arzt-Patientbeziehung mit allen fünf Sinnen sein. Im Ausschuss "Sektorübergreifende Versorgung" ist zu der Thematik ein Positionspapier entwickelt worden. Die Sorgen und Bedenken gerade vieler Niedergelassener Ärzte wurden im Ausschuss intensiv thematisiert und flossen dann auch in zwei Anträge zum Deutschen Ärztetag ein.

Ein Antrag forderte ein "Diskriminierungsverbot" von Patienten, welches impliziert, dass der Patient über die Inanspruchnahme eines telemedizinischen Angebots frei entscheiden können muss. Diese Freiheit gilt es aber auch in dem Sinne abzusichern, dass ein Patient, der einen ausschließlichen persönlichen Patientenkontakt bevorzugt, nicht von Kostenträgern oder Versorgungsstrukturen benachteiligt wird.

Der zweite Antrag  forderte eine Einbindung von Fernbehandlungen in die bestehenden Versorgungsstrukturen. Hier wird die Notwendigkeit betont, Beratungen und Behandlungen aus der Ferne in die bestehenden Versorgungsstrukturen einzubinden. Dieser Antrag sprach sich gegen den Aufbau eines neuen eigenständigen Versorgungsbereichs einer telemedizinischen Primärversorgung, insbesondere in Form kommerziell betriebener Call-Center. Die Gefahr unabgestimmter Schnittstellen mit Informationsverlust besteht. Fernbehandlungen müssen daher in die vertragsärztliche Versorgung integriert und aus ihr heraus entwickelt werden.

Beide Anträge wurden von den Delegierten einstimmig angenommen und sorgen mit dafür, dass wir als Ärzteschaft sinnvoll und nachhaltig die neuen Versorgungswege antreten und gestalten."


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Dokument erstellt am 25. April 2016, zuletzt aktualisiert am 22. Mai 2018