newsletter

Ärztekammer

Niedersachsen

Staatsexamen bestanden - und nun?

Broschüre "Willkommen im Club" für junge Ärztinnen und Ärzte

Broschüre downloaden

Ärztekammer
Ärztekammer

Ärztekammer

Niedersachsen

Ihr heisser Draht zum Team Kommunikation
Weitere Informationen ...

Ärztekammer

Ärztekammer

Niedersachsen

Für Fort- und Weiterbildung auf dem neuesten Stand

Ärztekammer

Ärztekammer

Niedersachsen

Service - vor Ort und bürgernah

Ärztekammer

Ärztekammer

Niedersachsen

Im Einsatz für eine optimale Gesundheitsversorgung

Ärztekammer

Aktuell

Drei Jahre Fachsprachprüfungen - ein Erfahrungsbericht

Hannover, 21. August 2018 (äkn) - Im Juni 2015 fand die erste Fachsprachprüfung für Ärzte in Niedersachsen statt. Nachdem die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) im Juni 2014 ein Eckpunktepapier erarbeitete, um ein einheitliches Überprüfungsverfahren der medizinischen Fachsprache für Ärzte zu regeln, wurde dieses im Juni 2015 durch einen Erlass des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung in Niedersachsen umgesetzt.

Ausländische Ärzte, die eine Berufserlaubnis oder Approbation beantragen, müssen nachweisen, dass sie über ausreichende Kenntnisse der deutschen medizinischen Fachsprache zu verfügen. Der Niedersächsische Zweckverband zur Approbationserteilung (NiZzA), welcher über die Berufserlaubnisse und die Approbationen zu entscheiden hat, beauftragt die Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) mit der Durchführung einer Fachsprachprüfung. Diese Prüfung kann nicht direkt oder unabhängig von dem Verfahren auf Erteilung einer Berufserlaubnis oder Approbation beantragt werden. Die ÄKN hat ein standardisiertes Prüfungsverfahren etabliert, wofür sie das Konzept der Ärztekammer Westfalen-Lippe übernahm. In Westfalen-Lippe wurde im Ländervergleich schon sehr früh mit der Überprüfung der deutschen Fachsprache begonnen.

"In den drei Jahren seit Juni 2015 bis Juni 2018 fanden insgesamt über 2.150 Prüfungen statt. Im Jahre 2017 waren 54 Prozent der Prüfungen erfolgreich."

Das Verfahren hat sich aus organisatorischer Sicht gut etabliert und auch die Wartezeiten auf die einzelnen Prüfungen konnten trotz konstant hoher Prüfungszahlen bei drei bis sechs Wochen gehalten werden. Innerhalb der Ärzteschaft genießen die Fachsprachprüfungen großes Ansehen: Personalabteilungen und Chefärzte sind sehr einverstanden, dass die Fachsprache überprüft wird, denn ein Einsatz der Kandidaten in Klinik und Praxis ohne eine sichere Beherrschung der medizinischen Fachsprache ist nicht sinnvoll möglich. Und auch die Kandidaten fühlen sich sicherer im Umgang mit Kollegen sowie Patienten, wenn sie die Fachsprachprüfung (FSP) bestanden haben.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass es für Kandidaten einfacher ist, die medizinische Fachsprachprüfung zu meistern, wenn sie bereits eine allgemeine Sprachprüfung aus dem Niveau C1 absolviert haben. Schließlich orientiert sich das Prüfungsniveau der FSP entsprechend der Vorgaben an C1. Zwingende Voraussetzung ist dieses Zertifikat für die Anmeldung beim NiZzA jedoch nicht.

[A1 bis C2 - Die Niveaustufen des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens...]

"Wichtiger als die sprachwissenschaftliche beziehungsweise grammatikalische Korrektheit ist in der Fachsprachprüfung jedoch die Verständlichkeit und Sicherheit beim Umgang mit der Sprache, um Missverständnisse gegenüber potenziellen Patienten und ärztlichen Kollegen auszuschließen."


Lesen Sie hierzu auch den Beitrag:
"Fachsprachprüfung für ausländische Ärzte – ein persönlicher Erfahrungsbericht der Fachsprachprüferinnen Dr. med. Katharina Dierßen und Dr. med. Tina Nietzschmann..."


Für viele Kandidaten überraschend und eine Herausforderung ist, dass die FSP auch in medizinischen Fachgebieten stattfinden kann, in denen der Kandidat gegebenenfalls nicht mehr oder nicht schwerpunktmäßig tätig ist. Gerade erfahrene Ärzte aus dem Ausland, die in ihrem Heimatland eventuell bereits einen Facharzt erworben haben, sind nervös, wenn die Sprachprüfung Themen betrifft, die nicht aus ihrem Fachgebiet stammen. Dies ist jedoch notwendig, da es sich bei der FSP um einen Teil des Berufserlaubnis- beziehungsweise Approbationsverfahrens handelt, mit dem die Erlaubnis beantragt wird, in Deutschland als Arzt zu arbeiten. Dieses Recht ist nicht thematisch eingeschränkt, es erfolgt also keine Beschränkung auf ein Fachgebiet. Die Kandidaten können mit einer Approbation grundsätzlich in allen medizinischen Bereichen tätig werden. Umgekehrt müssen sie daher auch sprachlich in der Lage sein, sich auf Approbationsniveau in der deutschen Fachsprache sicher zu bewegen, das heißt sich mündlich und schriftlich auszutauschen. Es wird kein Facharztniveau vorausgesetzt und wenn überhaupt fachliche Fragen gestellt werden, dann weil man den Eindruck gewonnen hat, dass der Kandidat entsprechende Erfahrungen hat und es dem Gesprächsverlauf dienlich ist. Es wäre also nicht nachteilig zu bewerten, wenn der Kandidat aussagt, er könne die Frage fachlich nicht beantworten.

Praxiserfahrung hilfreich

Viele Rückmeldungen von Kandidaten haben gezeigt, dass am besten in der Praxis gelernt wird, zum Beispiel bei Hospitationen vor Ort. In Klinik und Praxis und unter Anleitung eines erfahrenen Arztes erfahren die Kandidaten hautnah die besonderen Erfordernisse und Situationen, die ein Arzt im Rahmen seiner Berufstätigkeit bewältigen muss, wie zum Beispiel Aufklärungsgespräche mit Patienten, Fachgespräche unter Kollegen und auch heikle Patientengespräche wie das Überbringen schlechter Nachrichten.

Die Kandidaten wünschen sich daher eine noch praxisbezogenere Sprachausbildung verbunden mit der Möglichkeit der Übung in medizinischen Einrichtungen. Je länger entsprechende Erfahrungen nachgewiesen werden können, desto größer ist die Chance, die FSP zu bestehen.

Spezifische Kurse bieten die ÄKN und NiZzA allerdings nicht an. Sprachlehrer und Kursanbieter sollen jedoch die Möglichkeit erhalten, konkrete Fragen persönlich zu stellen und Informationen direkt zu erhalten. Interessierte beziehungsweise Einrichtungen aus diesem Bereich sind daher herzlich eingeladen, am 9. November 2018 um 14 Uhr in der Ärztekammer Niedersachsen an einem Informationsnachmittag teilzunehmen.

Statistik

Die Anzahl der jährlich durchgeführten Fachsprachprüfungen ist leicht steigend von 749 Prüfungen im Jahr 2016 auf 783 Prüfungen im Jahr 2017. Überwiegend handelt es sich um weibliche Kandidaten. Die Erfolgsquote der weiblichen Kandidaten ist um circa zwei Prozent höher als die der männlichen.

Die meisten Bewerber kommen aktuell aus Syrien. Weitere stark vertretene Herkunftsländer waren Ägypten, Ukraine, die Russische Föderation, Iran und Serbien. Bemerkenswert ist, dass die Kandidatenzahl aus der Russischen Föderation und aus der Ukraine im Jahr 2016 noch nicht unter den TOP 5 lag.

Autor:
Markus Schwinn
Leitung Fachsprachprüfungen

Dokument erstellt am 25. April 2016, zuletzt aktualisiert am 20. September 2018