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Ärztekammer Niedersachsen warnt vor der Freigabe von Cannabis

Hannover, 20. November 2017 (äkn) - Kammerpräsidentin und Lungenfachärztin Dr. med. Martina Wenker: "Gefährliche Folgeerkrankungen der Droge wie Psychosen und Abhängigkeiten sind wissenschaftlich erwiesen" / Anhörung im Sozialausschuss des Rates der Landeshauptstadt Hannover am 20.11.2017

Cannabis. Foto: Bogdan/Fotografii naturaCannabis. Foto: ÄKN

"Eine legale Abgabe von Cannabis ist aus ärztlicher Sicht nachdrücklich abzulehnen", erklärt Dr. med. Martina Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) und Vizepräsidentin der Bundesärztekammer (BÄK). Im Zusammenhang mit der am 20. November stattfindenden Anhörung im Sozialausschuss des Rates der Landeshauptstadt Hannover zum Thema "Kontrollierte Abgabe von Cannabis" warnt sie vehement vor den Risiken des Drogenkonsums: "Cannabis bremst nachweislich die geistige Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Das Risiko von Psychosen steigt in beängstigendem Maße, mehr als jeder zehnte Konsument landet in einer Abhängigkeit."

Im Arbeitskreis "Prävention und Umwelt" der ÄKN haben sich Neurologen, Psychiater, Kinder- und Jugendmediziner sowie Suchtmediziner intensiv mit der Thematik beschäftigt. Übereinstimmend sehen die Experten besonders große Risiken für Konsumenten zwischen 12 und 18 Jahren sowie für ungeborene und neugeborene Kinder, deren Mütter Cannabisprodukte konsumieren. Cannabis führt zu signifikanten Beeinträchtigungen der embryonalen Gehirnentwicklung, reduziert die Größe und das Gewicht der Kinder, außerdem steigt das Risiko von Geburtskomplikationen. Bei Kindern und Jugendlichen führt der Cannabiskonsum zu einer Beeinträchtigung der biologischen, kognitiven und sozialen Entwicklung. Er erhöht das Risiko für Psychosen, Depressionen und Angststörungen um das sechs- bis siebenfache. In manchen Fällen bleiben nachhaltige Folgen wie das Erleben sogenannter "Flashbacks". Dabei handelt es sich um das plötzliche Wiederauftreten von im Rausch erlebten Sinneseindrücken, ausgelöst durch Schlüsselreize wie etwa ähnliche optische oder akustische Signale. Bei inhalativer Aufnahme von Cannabis warnt Dr. Wenker zusätzlich vor den gravierenden Folgen auf die Lungengesundheit, die ähnlich gefährlich sind wie beim Rauchen von Tabakprodukten.

Rund 600.000 vorwiegend junge Menschen in Deutschland haben Probleme mit dem Konsum dieser Droge. "Cannabis hat sich zu einem großen gesellschaftlichen Problem entwickelt. Die gehandelten Produkte sind in den vergangenen Jahren wirkstoffhaltiger und gefährlicher geworden", erklärt Dr. Wenker. Im Hinblick auf die gesundheitsschädigenden Wirkungen von Tetrahydrocannabinol (THC) gibt sie zu bedenken, dass die Wissenschaft mehr als 80 weitere Cannabinoide in der Marihuanapflanze entdeckt hat, deren Wirkungen noch nicht ausreichend untersucht worden sind. "Angesichts dieser Situation ist es aus ärztlicher Sicht absolut wichtig, eine Freigabe der Droge zu verhindern", so die Kammerpräsidentin.

Kontakt:

Thomas Spieker, Leiter Kommunikation und Pressesprecher der Ärztekammer Niedersachsen
Telefon: 0511/380-2220, E-Mail: kommunikation@aekn.de


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Dokument erstellt am 25. April 2016, zuletzt aktualisiert am 1. Dezember 2017