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Presseinformationen

Der Wille des Patienten ist entscheidend

Hannover/Langeoog, 5. Juni 2019 (äkn) - Prof. Dr. med. Friedemann Nauck, Direktor der Klinik für Palliativmedizin der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), sprach im Rahmen der Langeooger Fortbildungswochen über den Prozess, von einer lebenserhaltenden Therapie in eine palliativmedizinische Behandlung einzutreten.

"Wir dürfen nicht verdrängen, dass wir alle sterblich sind", erklärte Prof. Dr. med. Friedemann Nauck im voll besetzten Saal des Hauses der Insel auf Langeoog. Ein würdevolles Sterben für schwerkranke oder sich bereits auf dem letzten Weg befindliche Patienten zu ermöglichen, sei Aufgabe der Palliativmedizin. "Die ärztliche Entscheidung, von einer lebenserhaltenden zu einer leidenslindernden, palliativmedizinischen Behandlung überzugehen, ist jedoch nicht nur eine schwierige medizinische, sondern auch eine schwierige ethische Entscheidung", so Nauck. Deshalb sei es sinnvoll, bei solchen, oft auch schwierigen ethischen Entscheidungen, die eine Änderung des Therapieziels beinhalten, nicht alleine dazustehen, sondern Klinische Ethikkomitees oder Netzwerke wie das Netzwerk ambulante Ethikberatung Göttingen zu nutzen.

Der Anästhesist und Palliativmediziner weiß, dass es nicht leicht ist, sich einzugestehen, dass es an einem gewissen Punkt der ärztlichen Behandlung manchmal besser ist, das Therapieziel zu ändern und bisherige, auf Lebenserhaltung ausgerichtete Behandlungen zu beenden. "Bei allen Überlegungen ist immer der Wille des Patienten entscheidend", betonte Nauck. Und wenn der Patient nicht mehr einwilligungsfähig ist, müsse auf ggf. vorliegende Patientenverfügungen und Vorsorgebevollmächtigte des Patienten zurückgegriffen werden."

Es ist unsere ärztliche Aufgabe, unsere Patienten auf ihrem Weg bei schwerer, unheilbarer Erkrankung zu begleiten. Und wenn dies bedeutet, dass wir das Behandlungsziel neu definieren und die lebenserhaltende Therapie beenden, um ein würdevolles und ärztlich begleitetes Sterben zu ermöglichen, dann müssen wir das auch tun", bekräftigte Nauck und bat die Zuhörer darum, diesen Entscheidungsprozess auch zuzulassen.

Seit bereits 67 Jahren veranstaltet die Ärztekammer Niedersachsen ärztliche Fortbildungen auf der Nordseeinsel Langeoog. Aufgeteilt auf vier Themenwochen besuchen um Pfingsten herum jährlich rund 1.500 Ärztinnen und Ärzte die Insel, um sich in den verschiedensten Bereichen fortzubilden. Vom 3. bis zum 6. Juni findet in diesem Jahr die Woche der Praktischen Medizin statt, deren Leitthema "MEDIZINETHIK und PRAKTISCHE MEDIZIN" lautet.


Kontakt: Thomas Spieker, Leiter Kommunikation und Pressesprecher der Ärztekammer Niedersachsen
Telefon: 0511/380-2220, E-Mail: kommunikation@aekn.de

Dokument erstellt am 25. April 2016, zuletzt aktualisiert am 19. August 2019