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Migräne und Kopfschmerz

Autor

Dr. med. Klas Mildenstein

Facharzt für Allgemeinmedizin / Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie / Facharzt für Neurologie
Tel.: 0511/878370, Fax: 0511/3808783722, E-Mail: info@praxis-dr-mildenstein.de


Kopfschmerzen sind häufig. Untersuchungen ergaben, dass 70% der deutschen Bevölkerung Kopfschmerzen kennen. Im Auftrag der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft haben Kopfschmerzexperten aus der ganzen Welt von 1985 - 1988 eine Kopfschmerzklassifikation erarbeitet, die mehr als 165 Kopfschmerzarten definiert. Es werden zwei große Gruppen unterschieden: Primäre Kopfschmerzen und sekundäre Kopfschmerzen.

Die primären Kopfschmerzen sind die Erkrankung selbst. Es findet sich keine andere dahinter stehende Ursache. Die beiden häufigsten Formen sind Migräne und Spannungskopfschmerzen. Sie sind allein für etwa 90% aller Kopfschmerzen verantwortlich.

Bei den sekundären oder symptomatischen Kopfschmerzen lässt sich eine zugrunde liegende Ursache ermitteln, z.B. eine Kopfverletzung oder ein Hirntumor. Viele Menschen denken bei Kopfschmerzen in erster Linie an einen Hirntumor. Unberechtigterweise, denn der Hirntumor kommt nur selten vor.

Ein Warnsignal für gefährliche Kopfschmerzen ist Nackensteifigkeit. Dahinter kann eine Hirnhautentzündung oder eine Hirnblutung stehen. Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen und Müdigkeit können in Zusammenhang mit Kopfschmerzen durch eine Gefäßentzündung verursacht sein, die zur Erblindung führen kann. Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Übelkeit und Gangstörung können Hinweis auf einen Hirntumor sein.

Die Diagnose der primären Kopfschmerzen wird durch Befragung des Patienten nach festgelegten Kriterien gestellt. Für die Diagnose der Migräne werden 4 Haupt- und 4 Nebenkriterien verwendet.

Die Hauptkriterien sind

  • Halbseitigkeit der Kopfschmerzen,
  • klopfend, hämmernder Schmerzcharakter,
  • starke Schmerzintensität (übliche Tagesaktivität wird beeinträchtigt) und
  • Schmerzzunahme durch Bewegung.

Von diesen Hauptkriterien müssen mindestens zwei erfüllt sein.

Die Nebenkriterien sind

  • Übelkeit,
  • Erbrechen,
  • Lichtempfindlichkeit und
  • Geräuschempfindlichkeit.

Von diesen Nebenkriterien muss mindestens eines erfüllt sein.

Die Dauer der Migräne beträgt unbehandelt 4 - 72 Stunden. Zur Diagnosestellung müssen 5 gleichartige Anfälle vorausgegangen sein. Außerdem muss die körperliche, insbesondere die neurologische Untersuchung normal ausgefallen sein. Die Migräneaura geht den Migränekopfschmerzen voraus und dauert etwa 30 Minuten bis zu einer Stunde. Es handelt sich in erster Linie um eine sog. visuelle Aura, Sehstörungen wie Flimmersehen und Gesichtsfeldausfälle. Es können aber auch halbseitige Kribbelgefühle oder sogar Halbseitenlähmungen auftreten. Typisch ist, dass sich diese neurologischen Ausfallserscheinungen langsam ausbreiten und sich wieder vollständig zurückbilden.

Spannungskopfschmerzen werden ebenfalls durch 4 Haupt- und 4 Nebenkriterien diagnostiziert.

Die 4 Hauptkriterien sind

  • Beidseitigkeit der Kopfschmerzen,
  • Schmerzcharakter drückend, ziehend,
  • Schmerzintensität gering bis mäßig und
  • Keine Schmerzzunahme durch körperliche Bewegung

Von diesen Merkmalen müssen mindestens zwei zutreffen.

Die 4 Nebenkriterien sind

  • Keine Übelkeit,
  • kein Erbrechen,
  • Lichtempfindlichkeit und
  • Geräuschempfindlichkeit

Von den beiden letztgenannten Merkmalen darf nur eines zutreffen.

Die unbehandelte Dauer der Kopfschmerzen beträgt 30 Minuten bis 7 Tage. Mindestens 10 gleichartige Anfälle müssen vorausgegangen sein. Die körperliche, insbesondere die neurologische Untersuchung muss normal ausfallen.

Für den Patienten ist die Beurteilung oft erschwert, weil Schmerzen schnell vergessen werden und weil nicht selten auch Spannungskopfschmerzen und Migräne nebeneinander bestehen. Ein unerlässlicher Bestandteil der Kopfschmerzbehandlung ist deshalb das Kopfschmerztagebuch. Damit werden Kopfschmerzstärke, Kopfschmerzdauer, Begleiterscheinungen und Medikamenteneinnahme am Abend eines jeden Tages dokumentiert. Dadurch lässt sich eine zuverlässigere Kopfschmerzdiagnose stellen und der Behandlungserfolg im Verlauf beurteilen.

Leichte Migräneanfälle werden medikamentös mit 20 Tropfen Metoclopramid und anschließender Gabe von 1 - 2 Tablette(n). Paracetamol 500 oder 1 - 2 Tablette(n). ASS 500 oder 1 Tablette Ibuprofen 400 behandelt. Die Einnahme von Metoclopramid wird vorausgeschickt, um Übelkeit und Erbrechen zu beeinflussen und die Aufnahme des nachfolgend eingenommenen Schmerzmittels zu verbessern. Die Einnahme sollte zu Beginn des Migräneanfalles erfolgen. Bei zu später Einnahme sind diese Medikamente häufig wirkungslos.

Mittelschwere und schwere Anfälle werden mit einem Triptan behandelt. Zur Zeit befinden sich 7 Triptane auf dem Markt, die sich in ihrer Wirksamkeit nur wenig unterscheiden. Die Triptane zeigen auch dann noch Wirksamkeit, wenn sie zu einem späteren Zeitpunkt im Anfall eingenommen werden. Es handelt sich um gut verträgliche Medikamente. Allerdings dürfen sie bei Durchblutungsstörungen von Herz, Gehirn und Beinen nicht eingenommen werden. Die wichtigsten Nebenwirkungen sind: Schwindel, Abgeschlagenheit, Schweregefühl der Extremitäten, Engegefühl im Bereich der Brust, Kribbelgefühle von Armen und Beinen sowie Wärme- und Hitzegefühl.

Treten Migräneanfälle häufig (mehr als 4 x pro Monat), langdauernd und von besonderer Schwere auf, sollte eine medikamentöse Vorbeugung durchgeführt werden. Medikamente der 1. Wahl sind der Betablocker Metoprolol sowie der Calciumantagonist Flunarizin.

Spannungskopfschmerzen können lokal mit Pfefferminzöl in äthanolischer Lösung oder auch durch Einnahme von Paracetamol, ASS oder Ibuprofen behandelt werden. Eine vorbeugende Behandlung des Spannungskopfschmerzes ist mit Amitriptylin 75 mg/Tag möglich.

Alle Medikamente - auch die Triptane - können Medikamenten-Dauerkopfschmerz verursachen, wenn sie an mehr als 10 Tagen im Monat eingenommen werden. Die Behandlung besteht in einer Medikamentenpause. Der dadurch eintretende Umstellungskopfschmerz führt zu einer anfänglichen Kopfschmerzverstärkung. Erst nach etwa 14 Tagen bis 4 Wochen klingt der Medikamentendauerkopfschmerz vollständig ab und das zugrunde liegende Kopfschmerzleiden tritt wieder zu Tage. Für den Medikamentendauerkopfschmerz sind coffeinhaltige Kombinationspräparate wie Thomapyrin und Vivimed besonders häufig verantwortlich und sollten deshalb gemieden werden.

Nichtmedikamentöse Maßnahmen sind ein wichtiger und wirksamer Bestandteil der Kopfschmerztherapie. Für die Migräne lassen sich folgende Empfehlungen zur Lebensführung geben:

  • Auslöser meiden
  • Keine Sauna
  • Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Tagesablauf strukturieren
  • Vorurlaub
  • Nicht immer 200%
  • Neinsagen lernen
  • Muskelrelaxation nach Jacobson
  • Jogging oder Walking

Auch bei Spannungskopfschmerzen hat sich das Jacobsonsche Relaxationstraining bewährt. Außerdem kommen Krankengymnastik, Wärmeanwendungen und Stressbewältigungs-Training zur Anwendung.

Ursächlich wird die Migräne heute als eine Reizverarbeitungsstörung angesehen - bei erhöhter Empfindlichkeit und fehlender Gewöhnung auf äußere und innere Reize. Spannungskopfschmerzen werden auf eine herabgesetzte Schmerzschwelle zurückgeführt.

Dokument erstellt am 25. April 2016, zuletzt aktualisiert am 15. Februar 2017