newsletter

ZQ

Projekte

Niedersächsisches Frühgeborenen-Nachuntersuchungsprojekt

ZQ

Ergebnisse

Beteiligung

Niedersachsen wurden in den ersten sechs Beobachtungsjahren (Oktober 2004-September 2010) 1452 Hochrisikokinder mit einem Gestationsalter <28 SSW geboren, von denen 24% noch in der Kinderklinik verstarben. Von den 1098 Überlebenden konnten 883 Kinder (80%) nach sechs Monaten nachuntersucht werden. Zudem konnten bislang fünf Jahrgänge der Zwei-Jahres-Nachuntersuchungen (n=690, 77% der Überlebenden) und drei Jahrgänge der Fünf-Jahres-Nachuntersuchung (n=336, 63% der Überlebenden) ausgewertet werden. Durch Projektmanagement-Maßnahmen (adäquate Werkzeuge zur Steuerung der Einbestellungen, gezielte Motivierung der Eltern etc.) konnte die Rücklaufrate der Zwei-Jahres-Nachuntersuchung vom ersten Jahrgang (69%) bis zum fünften Jahrgang (86%) gesteigert werden. 

Gesamtbeurteilung

Bei der Fünf-Jahres-Nachuntersuchung werden in der Gesamtbeurteilung 73% der extrem unreifen Frühgeborenen als beeinträchtigt eingestuft. Nur 27 % der Kinder sind in allen untersuchten Bereichen unauffällig.

29% der untersuchten Kinder sind behindert (Abbildung 1), d.h. sie haben eine Cerebralparese (19%) und/oder einen Intelligenzquotienten unter 70 (17%) und/oder sind blind (0,3%). Weitere 15% der extrem unreifen Frühgeborenen sind Kinder mit einer unterdurchschnittlichen kognitiven Leistungsstärke (IQ 70–84). Die restlichen 56% der Kinder sind zwar kognitiv unauffällig (IQ>=85), mehr als die Hälfte der kognitiv unauffälligen Kinder zeigen jedoch Auffälligkeiten in den Bereichen Motorik und / oder Sprache.

 

Abbildung 1: Gesamtbeurteilung

große Ansicht...

Aus dem Vergleich der Ergebnisse der einzelnen Untersuchungszeitpunkte zeigt sich eine Zunahme der Auffälligkeiten bei den untersuchten Kindern (6 Monate: 53%, 2 Jahre: 62%, 5 Jahre 73%). Eine Erklärung für die steigende Zahl auffälliger Befunde liegt darin, dass mit zunehmendem Alter die wachsenden Fähigkeiten aller Kinder besser zu untersuchen und zu testen sind. Motorische, sprachliche und kognitive Defizite bei den Frühgeborenen sind mit sechs Monaten viel schlechter zu erkennen als mit zwei Jahren und können mit fünf Jahren noch genauer diagnostiziert werden. Es ergibt sich daraus die Notwendigkeit langfristiger Nachuntersuchungen.

Körperliche Entwicklung

Positiv ist hingegen die körperliche Entwicklung (Größe, Gewicht) zu bewerten. Im Alter von fünf Jahren liegen nur noch 16% im Bereich Körpergewicht und 12% im Bereich Körpergröße unterhalb der 3. Perzentile. Deutlich wird aber, dass bei über einem Viertel der Kinder (27%) ein Mikrozephalus (Kopfumfang < 3. Perzentile) im Alter von sechs Monaten vorlag und sich dieser Anteil bis zum Alter von fünf Jahren nicht mehr verringert hat.

Korrelation mit den Neonataldaten

Werden die Daten der Fünf-Jahres-Nachuntersuchung mit den Daten der Niedersächsischen Perinatalerhebung korreliert, ergeben sich nach der Entlassung aus den neonatologischen Abteilungen folgende Trends:

Die Kinder, für die im Ultraschallbefund während des Aufenthaltes in der Kinderklinik keine Hirnblutung diagnostiziert wurde, zeigen bei der Fünf-Jahres-Nachuntersuchung weniger Auffälligkeiten im kognitiven Bereich (unauffällig = 68%) als die Kinder, für die im Ultraschallbefund eine leichte (Grad I-II) (unauffällig = 55%) oder eine höhergradige (Grad III-IV) Hirnblutung bzw. eine Periventrikuläre Leukomalazie (PVL) (unauffällig = 14%) diagnostiziert wurde (p <0,001).

Die Kinder, die mit einem mit einem höheren Reifealter (26–27 SSW) geboren werden zeigen bei der Fünf-Jahres-Nachuntersuchung weniger Auffälligkeiten im kognitiven Bereich (unauffällig = 66%) als Kinder, die mit einem sehr niedrigen Reifealter (23-25 SSW) (unauffällig = 42%) geboren werden (p <0,001).

Die Frühgeborenen, die während des Aufenthaltes in der Kinderklinik gar nicht oder maximal zwei Wochen beatmet wurden, zeigen bei der Fünf-Jahres-Nachuntersuchung weniger Auffälligkeiten im kognitiven Bereich (unauffällig = 64%) als die langzeitbeatmeten Kinder (unauffällig = 42%) (p <0,001).

Eine höhergradige Hirnblutung (Grad III-IV), ein geringeres Gestationsalter (23-25 SSW) und eine Langzeitbeatmung (>14 Tage) erwiesen sich dementsprechend als prognostisch ungünstig für die Frühgeborenen.

Therapien

Insgesamt ist bei der Gruppe der extrem unreifen Frühgeborenen ein hoher Umfang an Therapie- und Fördermaßnahmen feststellbar. 94% der Kinder erhalten bzw. erhielten mindestens eine Therapie. Nur 6% der kleinen Frühgeborenen erhielten in den ersten fünf Lebensjahren nie Therapien und auch bei der Fünf-Jahres-Nachuntersuchung wurde keine Therapie verordnet. Bei nahezu einem Drittel der Kinder (31%) wird bei der Fünf-Jahres-Nachuntersuchung ein zusätzlicher Therapiebedarf festgestellt (Abbildung 2). Damit erhalten im Alter von fünf Jahren noch 76% der untersuchten Kinder Therapien.

 

Abbildung 2: Therapeutischer Bedarf 

große Ansicht ...

Fazit

  • Unreife Frühgeborene tragen ein hohes Entwicklungsrisiko.

  • Nachuntersuchungen bringen wichtige Erkenntnisse und sind flächendeckend durchführbar.  
  • Risikofaktoren lassen sich definieren.
  • Es besteht ein hoher Umfang an Therapie- und Fördermaßnahmen.
  • Notwendige zusätzliche Therapien werden bei nahezu einem Drittel der Kinder durch das Projekt initiiert.

 

 

Dokument erstellt am 25. April 2016, zuletzt aktualisiert am 13. Juni 2017