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Niedersächsisches Frühgeborenen-Nachuntersuchungsprojekt

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Ergebnisse

Beteiligung

Im Untersuchungszeitraum der ersten sieben Jahrgänge (Oktober 2004 bis September 2011) wurden 1.798 dieser kleinsten Frühgeborenen (Gestationsalter < 28 SSW) geboren, von denen 23 Prozent noch in der Klinik verstarben. Von den 1.400 Überlebenden konnten 1.063 Kinder (76 Prozent) mit sechs Monaten, 952 (68 Prozent) mit zwei Jahren und 746 (53 Prozent) mit fünf Jahren sowie mehr als 200 Kinder (14 Prozent) mit zehn Jahren nachuntersucht werden.

Ärztliche Gesamtbeurteilung

Bei der Fünf-Jahres-Nachuntersuchung werden in der ärztlichen Gesamtbeurteilung 61 Prozent (n=469) der extrem unreifen Frühgeborenen als beeinträchtigt eingestuft. Nur 39 Prozent (n=303) der Kinder sind in allen untersuchten Bereichen unauffällig.

Aus dem Vergleich der Ergebnisse der einzelnen Untersuchungszeitpunkte zeigt sich eine Zunahme der Auffälligkeiten bei den untersuchten Kindern (6 Monate: 47 Prozent, 2 Jahre: 56 Prozent, 5 Jahre 61 Prozent). Eine Erklärung für die steigende Zahl auffälliger Befunde liegt darin, dass mit zunehmendem Alter die wachsenden Fähigkeiten aller Kinder besser zu untersuchen und zu testen sind. Motorische, sprachliche und kognitive Defizite bei den Frühgeborenen sind mit sechs Monaten viel schlechter zu erkennen als mit zwei Jahren und können mit fünf Jahren noch genauer diagnostiziert werden. Es ergibt sich daraus die Notwendigkeit langfristiger Nachuntersuchungen.

Weitere Ergebnisse

  • Im Alter zwischen 2 und 5 Jahren lassen sich größere Veränderungen bei der Beurteilung sowohl im Bereich der Kognition als auch im Bereich der Motorik erkennen.
  • Behinderungen und Beeinträchtigungen in den Bereichen Kognition, Sprache, Verhalten und Motorik sind bei den Zweijährigen sehr häufig. Insbesondere der Anteil von geistig behinderten Kindern (IQ < 70; auf Basis der BayleyScales II) ist mit 14,7 Prozent bei diesen kleinsten Frühgeborenen sehr hoch.
  • Auf Basis der Child Behavior Checklist - CBCL/4-18 (Elternfragebogen über das Verhalten von Kindern und Jugendlichen) zeigen 18,3 Prozent der nachuntersuchten Kinder im Alter von fünf Jahren Verhaltensauffälligkeiten und 13,8 Prozent liegen am Grenzbereich zur Auffälligkeit. Im Alter von zehn Jahren liegt der Anteil der deutlich verhaltensauffälligen Kinder bereits bei 25 Prozent.
  • Über den Untersuchungszeitraum der ersten sieben Jahre betrachtet, erhielten 48,5 Prozent der Kinder im Alter von fünf Jahren Heilmitteltherapien und/oder Frühförderung. Von den 436 Kindern mit Sprachentwicklungs- sowie Verhaltensauffälligkeiten erhielten 44,7 Prozent Ergotherapie, 36 Prozent Physiotherapie und 46,1 Prozent Logopädie.
  • Wichtigste Einflussfaktoren auf ein negatives Langzeitergebnis sind die in der Neonatalperiode diagnostizierten schweren Hirnschädigungen, die Unreife < 26 SSW und ein niedriger Bildungsstand der Mutter.
  • Die Ergebnisse der flächendeckend, multizentrischen Nachuntersuchung in Niedersachsen bestätigen das bekannte hohe Risiko extrem unreifer Frühgeborener < 28 SSW für Entwicklungsstörungen.

Fazit

  • Unreife Frühgeborene tragen ein hohes Entwicklungsrisiko.
  • Nachuntersuchungen bringen wichtige Erkenntnisse und sind flächendeckend durchführbar.  
  • Risikofaktoren lassen sich definieren.
  • Es besteht ein hoher Umfang an Therapie- und Fördermaßnahmen.
  • Notwendige zusätzliche Therapien werden bei nahezu einem Drittel der Kinder durch das Projekt initiiert.

Eine Liste bisheriger Publikationen (Artikel, Poster etc.) finden Sie hier.

Dokument erstellt am 25. April 2016, zuletzt aktualisiert am 20. April 2018