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Das APS-Weissbuch macht Patientensicherheit zum unausweichlichen Handlungsauftrag

Hannover, 6. Dezember 2018 (zq) - Am 16. August 2018 hat das Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) das Weissbuch auf einer Pressekonferenz vorgestellt. Es ist im Auftrag des APS und des Verbands der Ersatzkassen e.V. (vdek) entstanden.

Der Autor Prof. Dr. med. Mathias Schrappe, selbst Internist, engagiert sich seit vielen Jahren in unterschiedlichen Funktionen für Qualitätsverbesserung, Patientensicherheit und die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens, u.a. ist er Gründungsmitglied des APS und war bis 2013 Leiter des Instituts für Patientensicherheit der Uni Bonn (IfPS) und hat seit 2002 einen entsprechenden Lehrauftrag an der Universität Köln.

Ausgangspunkt ist eine Situationsanalyse, die der Frage nachgeht, ob wir hierbei auf die richtigen Konzepte setzen, um Verbesserungen zu erreichen. Im Kontext der internationalen Literatur werden theoretische Grundlagen einschließlich Erhebungsmethodik, Daten zur Häufigkeit und auch wirtschaftliche Folgen aufgearbeitet und eingeordnet. Es wird dargestellt, dass in den letzten Jahren schon einiges in Deutschland erreicht wurde: die Einführung der OP-Checkliste, die Aktion Saubere Hände, Fortschritte beim Risikomanagement. Allerdings wird ebenso deutlich, dass die Innovationsgeschwindigkeit im Hinblick auf Patientensicherheit im Vergleich zum medizinischen Fortschritt deutlich hinterher hinkt. Kurz gesagt: die Medizin entwickelt sich weiter, die Organisationen aber nicht. Entsprechend zeigt sich erheblicher Verbesserungsbedarf im deutschen Gesundheitswesen.

Grundlage für das Neudenken ist eine weiterentwickelte Definition: Patientensicherheit ist nicht nur die Abwesenheit von unerwünschten Ereignissen, sondern darüberhinaus deren Priorisierung und vor allem die Fähigkeit der Organisation, des Teams und des Einzelnen zum aktiven Handeln, das dem Ziel dient, Sicherheit aus Patientenperspektive zu verwirklichen.

Im Weiteren erfolgt die Ableitung eines innovativen Konzeptes zur wirksameren Umsetzung von Patientensicherheit: die Komplexe Mehrfachintervention, (CMCI: Complex Multicomponent Intervention), die den Kontext einer Intervention mehrere Angriffspunkte vorsieht (Technik, System, Patient, Organisation, Lernen). Ein Beispiel für die Wirksamkeit von CMCI ist u.a. in der Michigan-Keystone Studie zur Verhinderung von Katheter-assoziierter Sepsis beschrieben: Hier wurde durch die Kombination von verschiedenen Ansätzen wie Händedesinfektion, Umstellung des Desinfektionsmittels, Barrieremethoden bei der Implantation, V. Subclavia als Lokalisation, regelmässige Kontrolle und schnellstmögliche Entfernung, eine nachhaltige signifikante Reduktion der Katheterinfektionen erreicht. Diese Formen der Intervention finden in Deutschland zurzeit noch zu selten Berücksichtigung.

In den letzten zwei Kapiteln werden diese Ansätze vor dem Hintergrund der wichtigsten gesundheitspolitischen Entwicklungen reflektiert und fließen in die Aktualisierung der Agenda Patientensicherheit für das deutsche Gesundheitswesen des APS ein. Die aufgestellten sieben Forderungen sorgten nach der Veröffentlichung für eine notwendige breite Diskussion.

Das 600 Seiten umfassende Werk, inklusive Vorwort von Gesundheitsminister Spahn, wie auch die 40seitige lesbare Executive summary ist über die APS-Website frei verfügbar https://www.aps-ev.de/aps-weissbuch/.

Autorin:
Dr. med. Anouk Siggelkow
Zentrum für Qualität und Management im Gesundheitswesen

Dokument erstellt am 25. April 2016, zuletzt aktualisiert am 20. Februar 2019