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Hannover,

Neues Oldenburger Netzwerk gegen häusliche Gewalt

Die Ärztekammer-Bezirksstelle Oldenburg gründete mit verschiedenen Einrichtungen und Organisationen einen „runden Tisch“ zum Thema „Interdisziplinäre Kooperation gegen Häusliche Gewalt“. Die stellvertretende Bezirksstellenvorsitzende Dr. med. Nadezda Jesswein will mit der Initiative frühe Hilfsmaßnahmen sowohl für Opfer als auch für Täter erreichen sowie die Zusammenarbeit in einem verlässlichen Netzwerk.

Foto: Olaf Mahlstedt

Einen „Runden Tisch“ zum Thema „Interdisziplinäre Kooperation gegen Häusliche Gewalt“ hat Dr. med. Nadezda Jesswein, Stellvertretende Vorsitzende der Ärztekammer-Bezirksstelle Oldenburg, jetzt ins Leben gerufen: „Es ist wichtig, ein Problembewusstsein in der Ärzteschaft dafür schaffen, dass wir es in jeder Fachdisziplin mit Opfern und Tätern zu tun haben – besonders in der primärärztlichen Versorgung. Unsere Aufgabe als Ärztinnen und Ärzte ist es zu erkennen, wo es sich um ein Opfer oder einen Täter handelt, und dann mutig und handlungssicher einzugreifen“, sagt die in Oldenburg in einer hausärztlichen Praxis niedergelassene Ärztin. Es sei essenziell, die Opfer von häuslicher Gewalt früher zu identifizieren und generell mehr Courage zu zeigen, nicht zuletzt in den Fällen, in denen sich um Kindeswohlgefährdung handle. 

Dem Arbeitskreis, der am 27. April 2026 das erste Mal in den Räumen der Bezirksstelle Oldenburg der Ärztekammer Niedersachsen tagte, gehören Vertreterinnen verschiedener Einrichtungen und Organisationen an: Vertreten sind der WEISSE RING e.V. – Außenstelle Oldenburg durch Petra Klein, der Präventionsrat Oldenburg durch Melanie Blinzler, das Gleichstellungsbüro der Stadt Oldenburg durch Mira Ibanek, der Verein Konfliktschlichtung e.V. Oldenburg durch Kerstin Weber und seitens der Stadt Oldenburg das Amt für Teilhabe und Soziales/Sozialplanung durch Karen Hanfeldt sowie das Amt für Jugend und Familie durch Friederike Sandstede. Für die Oldenburger Polizei nahmen die Beauftragte für Jugendsachen, Sandra Behrens, und Daniela Schoone, die Beauftragte für Kriminalprävention, teil. 

Hintergrund ist die steigende Zahl der Anzeigen: Die Polizeidirektion Oldenburg verzeichnete für das Jahr 2025 einen Anstieg der Fälle um 4,8 Prozent auf insgesamt 6.050 registrierte Taten. Auch landesweit wurde in Niedersachsen ein Anstieg von 2.400 Fällen im Vergleich zum Vorjahr auf 24.742 Opfer insgesamt polizeilich erfasst. Trotz der steigenden Fallzahlen ist davon auszugehen, dass diese Statistiken lediglich das Hellfeld abbilden. Die Anfang 2026 vom Bundeskriminalamt in Kooperation mit dem Bundesministerium des Innern und dem Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend veröffentlichte Dunkelfeld-Studie „Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag (LeSuBiA)“ hat bestätigt, dass die Anzeigequoten von Gewalterfahrungen in Partnerschaften, sexualisierter und digitaler Gewalt durchgehend niedrig sind und meist unter zehn Prozent liegen. 

Vorrangiges Ziel des Arbeitskreises ist laut Jesswein ein gut funktionierendes Netzwerk, welches den Opfern, aber auch den Tätern einen Zugang zum Hilfesystem ermöglicht. Dessen Sichtbarkeit soll durch gemeinsame Fortbildungen und Aktionen des Arbeitskreises wie zum Beispiel zum Orange Day, dem internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November 2026, verbessert werden. 

„Aber nicht jeder, der die Hand hebt, ist gleich ein ,Schwerverbrecher‘“, schränkt Jesswein ein: „Oft sind es Menschen, die selbst Gewalt erfahren haben und es nicht gelernt haben, einen Zugang zu ihrer eigenen Hilflosigkeit und Ohnmacht zu finden. Deshalb muss auch ihnen frühzeitig der Zugang zum Hilfesystem ermöglicht werden.“ Dabei gehe es nicht darum, das Rad noch einmal neu zu erfinden, denn an verschiedenen Stellen seien bereits motivierte, engagierte Menschen aktiv. „Die vorhandenen Ressourcen zu nutzen und zu bündeln, um gemeinsam gegen Gewalt einzutreten – das ist das wichtigste Ziel und Aufgabe des runden Tisches. Es ist wichtig, dass wir als Ärztekammer und Vertreter der Ärzteschaft an dieser Stelle aktiv mitwirken. 

Der runde Tisch wird das nächste Mal im Herbst tagen. Informationen zu den geplanten Aktionen zum Orange Day sowie zu Fortbildungen in der Ärztekammer-Bezirksstelle Oldenburg werden folgen. 

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