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Die Geburtshilfe hat in Deutschland ein hohes Niveau, meist mit dem Ergebnis "Gesunde Mutter - gesundes Kind". Dennoch kommt es immer wieder zu einzelnen, oft sehr seltenen, komplizierten Geburtsverläufen, die hohe Anforderungen an die geburtshilfliche Versorgung stellen. Veränderte Rahmenbedingungen wie höheres Lebensalter, Änderungen der Familienstrukturen und der Ernährungsgewohnheiten sowie Migrationseinflüsse und soziale Strukturen sind Einflussfaktoren. Ebenso ist eine erhöhte Rate von Kaiserschnittentbindungen zu nennen. Diese Umstände und Einflüsse können Probleme in der Versorgung von Schwangeren und unter der Geburt hervorrufen (Epidemiologie).

Mit dem Ansatz des GerOSS-Projekts (German Obstetric Surveillance System) soll auf die beschriebenen Veränderungen zeitnah und gezielt reagiert werden. Einzelne schwerwiegende Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen, die in der Regel selten auftreten, werden zentral erfasst und auf einer größeren Datenbasis analysiert. Das GerOSS-Projekt, welches vom Zentrum für Qualität und Management im Gesundheitswesen (ZQ) konzipiert sowie koordiniert und umgesetzt wird, stellt somit eine Ergänzung zu den gesetzlich vorgeschriebenen Qualitätssicherungs­verfahren dar.

Das GerOSS-Projekt wurde bis Ende 2016 von der QualitätsInitiative (Niedersächsischer Verein zur Förderung der Qualität im Gesundheitswesen e.V.) gefördert.

Weitere Informationen:www.geross.de

Mit der Erhebung und Analyse seltener Komplikationen im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt sollen im GerOSS-Projekt folgende Ziele verfolgt werden:

  • Optimierung des Versorgungsmanagements: Durch detaillierte Fallanalysen (u.a. root-cause-analysis, Prozessanalysen) von ExpertInnen (GeburtshelferInnen, Hebammen, IntensivmedizinerInnen, PädiaterInnen etc.) werden optimale Behandlungsstrategien und -empfehlungen erarbeitet.
  • Frühwarnsystem: "Präventionsstrategien" für seltene, aber schwer zu versorgende Fälle werden entwickelt. Eine frühzeitige Steuerung und Begleitung der "Risikoschwangeren" mit einem optimierten Überleitungsmanagement von der Schwangerschaft zur Geburt ist das Ziel.
  • Ermittlung von Inzidenzen für die ausgewählten Krankheitsbilder und geburtshilflichen Komplikationen in Niedersachsen.
  • strukturierte Informationsplattform: Die GerOSS-Webseite dient als Informationsplattform für die Verbreitung der gewonnenen Erkenntnisse aus der Analyse der erhobenen Fälle (statistische Analyse, Einzelfallanalyse).

GerOSS ist ein internetbasiertes System zur Meldung und Erfassung seltener geburtshilflicher Ereignisse. Freiwillig teilnehmende Einrichtungen benennen der ZQ-Organisationszentrale eine Projekt-Ansprechpartnerin oder einen Projekt-Ansprechpartner. Diese / dieser erhält monatlich eine automatische Aufforderung (per E-Mail), retrospektiv (monatlich) die aufgetretenen Fälle oder das Nicht-Auftreten eines Falles (Negativmeldung) zu melden. Die Negativmeldung ist wichtiger Bestandteil des Projekts zur Berechnung von Inzidenzen. Die Auswertung der anonymisierten Datensätze erfolgt quantitativ und ergänzend qualitativ durch ExpertInnen. So werden erstmals Geburtskomplikationen auf einer größeren Datenbasis durch nationale und internationale Zusammenarbeit analysiert. Die Erkenntnisse / Ergebnisse werden publiziert und auf der GerOSS-Internetplattform zur Verfügung gestellt.

Internationale Zusammenarbeit

Verschiedene Länder in und außerhalb Europas haben sich zu einem Netzwerk INOSS (International Network of Obstetric Survey Systems) zusammengeschlossen, um

  • gemeinsam Ergebnisse zu sehr seltenen Ereignissen auszuwerten und zu vergleichen und
  • gemeinsam Strategien zu entwickeln, wie Erkenntnisse in die Kliniken transportiert werden können.

INOSS: www.npeu.ox.ac.uk/inoss

Konzeption

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Fragestellungen

Meldung und Dokumentation der Fälle

  • Intrauteriner Fruchttod: Definition (pdf-Datei); Datensatz (pdf-Datei)
  • Eklampsie: Definition (pdf-Datei); Datensatz (pdf-Datei)
  • Plazenta increta / percreta: Definition (pdf-Datei); Datensatz (pdf-Datei)
  • Uterusruptur (beendet seit 1. März 2018)
  • Peripartale Hysterektomie (beendet seit 1. März 2018)

Datensatzbeschreibung, englische Version

Meldung der Fälle

  • Transfusion >= 5 Blutkonserven

Durchführung

Kliniken, die über eine geburtshilfliche Abteilung verfügen, sowie niedergelassene Ärztinnen und Ärzte aus Niedersachsen und Bayern können sich mit einem Formular (siehe unten) für die Teilnahme am GerOSS-Projekt anmelden. Im Anschluss werden der Ansprechpartnerin bzw. dem Ansprechpartner der Klinik / Praxis vom ZQ die erforderlichen Zugangsdaten für die webbasierte Meldung und Dokumentation der Fälle zugesandt. Jede einzelne Seite wird während der Datenerfassung gespeichert, womit eine Unterbrechung der Erfassung möglich ist. Der Datensatz kann erneut aufgerufen und geändert bzw. gelöscht werden. Die Dateneingabe ist geschützt, d.h. andere NutzerInnen können auf diese Daten nicht zugreifen (PPTP, thawte SSL-Zertifikat).

Anmeldung zur Teilnahme am GerOSS-Projekt (pdf-Datei)

Einwilligungserklärung (pdf-Datei)

 

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Projektbeteiligung

Seit dem Start im Jahr 2010 nehmen Frauenkliniken aus Niedersachsen und Bayern, bis 2016 auch aus anderen Bundesländern, am GerOSS-Projekt teil. In Niedersachsen konnte bereits 2011 eine flächendeckende Erhebung im Rahmen des GerOSS-Projekts erreicht werden.

 

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Gremien

Mitglieder der Ständigen Kommission der Niedersächsischen Perinatalerhebung (NPE) und weitere ExpertInnen

Priv.-Doz. Dr. med. Heiko B. G. Franz
Vorsitzender und Chefarzt der Frauenklinik des Städtischen Klinikums Braunschweig, Vertreter der Ständigen Kommission der NPE und der AG leitende Ärztinnen und Ärzte in Niedersachsen und Bremen

Prof. Dr. med. Susanne Grüßner
Chefärztin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Klinikums Wilhelmshaven, Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), in der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM) u.v.m.

Prof. Dr. med. Ralf L. Schild
Chefarzt der Geburtshilfe der Diakoniekrankenhäuser Friederikenstift und Henriettenstiftung in Hannover, im MVZ Calenberger-Neustadt tätig, Professur für Geburtshilfe und Perinatalmedizin an der Universität Erlangen, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Pränatal- und Geburtsmedizin (DGPGM)

Priv.-Doz. Dr. med. Yves Garnier
Chefarzt der Frauenklinik am Klinikum Osnabrück, Leiter des zertifizierten Gynäkologischen Krebszentrums Osnabrück

Prof. Dr. med. Karsten Harms
Stellvertretender Vorsitzender und Chefarzt des Kinderzentrums am Helios-Klinikum Hildesheim

Prof. Dr. med. Bettina Bonhorst
Leitende Oberärztin der Früh- und Neugeborenenintensivstation an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Projektleitung bei Teilnahme der MHH an deutschlandweiten Multicenterstudien im Bereich der Neonatologie (GNN)

Prof. Dr. rer.nat. Evelyn Kattner
Vertreterin der Pädiater, Chefärztin a.D. der Neonatologie im Kinder- und Jugendkrankenhaus auf der Bult Hannover (bis 09/2012)

Prof. Dr. med. Peter Hillemanns
Direktor der Frauenklinik der Medizinischen Hochschule Hannover, Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie der DGGG

Prof. Dr. med. Franz Kainer
Chefarzt der Geburtshilfe und Pränatalmedizin, Klinik Hallerwiese, Vertreter der Deutschen Akademie für Gynäkologie und Geburtshilfe (DAGG) der DGGG, Vertreter der Fachgruppe Bayern

Prof. Dr. med. Rüdiger Rauskolb
Vertreter der AG Medizinrecht der DGGG, Vertreter der AG Leitende Ärztinnen und Ärzte in Niedersachsen

Prof. Dr. med. Klaus Vetter
Vertreter der DGGG und der Fachgruppe in Berlin

Prof. Dr. med. Birgit Seelbach-Goebel
Direktorin und Chefärztin der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg, Lehrstuhlinhaberin der Universität Regensburg, Vorstandsmitglied der DGGG

Prof. Dr. med. Thorsten Fischer (Gast)
Leiter der Frauenklinik der Paracelsus Universität und des Landeskrankenhauses Salzburg

Aufgaben der Ständigen Kommission der NPE / ExpertInnen

  • fachlich-wissenschaftliche Unterstützung des Projektteams (Definitionen)
  • Umsetzung der Projektziele, Projektsteuerung
  • Strategie der Erkenntnisverbreitung (Review der aufbereiteten Ergebnisse, ggf. Validierung, Publikation der Projektergebnisse, Öffentlichkeitsarbeit)
  • Abstimmung über die Beteiligung von weiteren Bundesländern
  • Förderung der internationalen Zusammenarbeit mit INOSS (International Network of Obstetric Survey Systems)

Mitglieder der Arbeitsgruppen

  • Uterusruptur: Priv.-Doz. Dr. med. Heiko B. G. Franz, Prof. Dr. med. Rüdiger Rauskolb
  • Peripartale Hysterektomie: Prof. Dr. med. Franz Kainer, Prof. Dr. med. Rüdiger Rauskolb
  • Eklampsie: Priv.-Doz. Dr. med. Yves Garnier, Prof. Dr. med. Susanne Grüßner, Dr. med. Rainer Schutz
  • Plazenta increta / percreta: Prof. Dr. med. Wolfgang Henrich, Prof. Dr. med. Constantin v. Kaisenberg
  • Intrauteriner Fruchttod: Prof. Dr. med. Ralf L. Schild

Aufgaben der Arbeitsgruppen

  • Festlegung der Definitionen und der Dokumentationsinhalte
  • Einzelfallanalyse der Ereignisse mit strukturierter Arbeitsweise (Prozessanalysen, root-cause-analysis)
  • Review aufbereiteter Ergebnisse, ggf. Validierung
  • Publikation der Projektergebnisse, Öffentlichkeitsarbeit

GerOSS bietet hohe Flexibilität durch den einfachen zielgerichteten Ansatz mit nur geringem Dokumentationsaufwand sowie zeitnaher Bereitstellung der aktuellen Ergebnisse. Da einzelne Komplikationen jeweils über einen begrenzten Zeitraum von 3 - 5 Jahren erhoben werden, wird nach Abschluss des Erhebungszeitraumes mit ExpertInnenanalyse eine Veröffentlichung sowohl auf der Homepage als auch in Fachzeitschriften erfolgen. Darüber hinaus werden die Ergebnisse mit ExpertInnen diskutiert und einer breiteren Fachöffentlichkeit auf den verschiedenen Tagungen vorgestellt, um auch auf diese Weise Einfluss auf Empfehlungen und Leitlinien nehmen zu können.

Weitere Informationen: Liste bisheriger Publikationen (pdf-Datei, 217 KB)

Aktueller Stand der Ereignisse

 

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Weitere Informationen: Erste Ergebnisse aus dem GerOSS-Projekt (pdf-Datei, 393 KB)