
Für Zuversicht in der Frage des Standorts für das Zentralklinikum Friesland-Wilhelmshaven warb Sven Ambrosy, Landrat des Landkreises Friesland, auf dem gemeinsamen Neujahrsempfang der Wilhelmshavener Bezirksstellen der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) und der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). Er hoffe, dass schon bald ein Suchkonzept für die Auswahl geeigneter Standorte auf den Weg gebracht werden könne. Neben Ambrosy, der bei der Veranstaltung am 4. Februar 2026 mit seinem Grußwort für die erkrankte SPD-Bundestagsabgeordnete Siemtje Möller eingesprungen war, sprach die CDU-Bundestagsabgeordnete Anne Janssen in einem kurzen Video zu den zahlreichen Gästen des Neujahrsempfangs. Janssen, die sich als Mitglied im Bundestags-Gesundheitsausschuss mit einer Delegation auf einer Informationsreise über das finnische und norwegische Gesundheitssystem befand, ging auf die Einführung des geplanten Primärarztsystems in Deutschland ein: „Ziel ist es, die vorhandenen Ressourcen sinnvoll zu steuern“, sagte Janssen, ohne dass der ärztliche Entscheidungsspielraum durch noch mehr Bürokratie weiter ausgehöhlt werde. Mit dem Schaffen einer verbindlichen Anlaufstelle solle eine Lotsenfunktion verbunden sein und keinesfalls solle es zur „Gängelung“ der Patientinnen und Patienten kommen. Den Ärztinnen und Ärzten bleibe durch die Reformen wieder „mehr Zeit für Medizin“, versprach Janssen.
Ehrung für Jens Wagenknecht
Bevor anschließend Matthias Abelmann, Vorsitzender des Wilhelmshavener Bezirksausschusses der KVN, auf die wichtigsten Änderungen der Reform des ärztlichen Bereitschaftsdienstes durch die KVN einging, gab es einen überraschenden, nicht angekündigten Programmpunkt: Der stellvertretende Vorsitzende der Wilhelmshavener ÄKN-Bezirksstelle Klaus-Peter Schaps ehrte den Bezirksstellenvorsitzenden Jens Wagenknecht: Der seit 1997 in Varel niedergelassene Facharzt für Allgemeinmedizin war 25 Jahre zuvor das erste Mal sowohl in den Bezirksstellenvorstand als auch in die Kammerversammlung der Ärztekammer Niedersachsen gewählt worden. Seit 2005 hat Wagenknecht einerseits das Amt des Vorsitzenden der ÄKN-Bezirksstelle Wilhelmshaven inne und wurde 2006 darüber hinaus erstmals in den Landesvorstand der Ärztekammer gewählt. Nach 20 Jahren und vier Wahlperioden in dieser Funktion kandidierte er im Herbst 2025 nicht mehr für die Kammerversammlung. Der Bezirksstelle bleibt er indes gerade auch im Hinblick auf die anstehende Krankenhausreform und den Bau des neuen Zentralklinikums Friesland-Wilhelmshaven als Vorsitzender weiterhin erhalten und betreut ebenfalls als wissenschaftlicher Leiter für die Langeooger Fortbildungswochen die Woche der Praktischen Medizin.
Zeitenwende im Gesundheitssystem
Der Frage „Welche Auswirkungen hat die sicherheitspolitische Zeitenwende auf den Sanitätsdienst der Streitkräfte und auf das zivile Gesundheitssystem?“ widmete sich dann Flottenarzt Dr. med. Dirk Möllmann in seinem Festvortrag. Zunächst ging der Leiter des Sanitätsunterstützungszentrums Wilhelmshaven auf die aktuelle sicherheitspolitische Lage mit Cyberangriffen oder auch Sabotageakten ein. Hinsichtlich der Planungsmodelle für die Gesundheitsversorgung im Verteidigungsfall skizzierte er die Bedarfe verschiedener Kategorien von leichter verletzt bis intensivpflichtig und sprach auch die Anzahl von etwa 15.000 benötigten Akutbetten an: „Die Sicherstellung der Versorgung ist nur im gesamtstaatlichen Ansatz möglich, denn die alleinige Ertüchtigung militärischer Versorgungskapazitäten ist nicht ausreichend“, stellte Möllmann heraus und schloss: „Eine gesetzliche Regelung ist zielführend.“
Inge Wünnenberg
