
Aufklärungsworkshops für weit mehr als 100.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene jährlich oder auch eine HIV-Sprechstunde, seit Aids ein Thema ist: Für Prävention und Gesundheitsbildung hat Dr. med. Gisela Gille seit den 1970er Jahren bundesweit Maßstäbe gesetzt. Wenn die Lüneburger Ärztin in die Schulen ging, sprach sie ohne jegliches Tabu mit den Schülerinnen und Schülern über Themen, die andere gern meiden: Sexualität, Verhütung, den Körper, Essstörungen, sexuell übertragbare Krankheiten oder auch die Pubertät. „Man muss über das, worüber man spricht, auch gerne sprechen“, hat die Ärztin einmal selbst vor Jahren den Erfolg ihrer Schulsprechstunden begründet.
Dieses außergewöhnliche Engagement über Jahrzehnte hinweg würdigte Dr. med. Katharina-Juliane Kirsche, die Vorsitzende der Bezirksstelle Lüneburg, am 27. Mai 2026 mit der Ehrenplakette der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN), der höchsten Auszeichnung der niedersächsischen Ärzteschaft: „Es gibt Menschen, die ihren Beruf ausüben. Und es gibt Menschen, die über Jahrzehnte hinweg eine Haltung verkörpern. Sie, Frau Dr. Gille, gehören zweifellos zu Letzteren. Denn wir sprechen heute nicht über einzelne Projekte oder kurzfristige Erfolge. Wir sprechen über ein ärztliches Lebenswerk“, sagte Kirsche in ihrer Laudatio.
Dr. med. Gisela Gille, Jahrgang 1942, gab bereits seit 1974 Aufklärungsunterricht für die heute als „Ärztliche Gesellschaft zur Gesundheitsförderung e.V.“ (ÄGGF) bekannte Organisation, die sie zudem von 1998 bis 2011 leitete. Daneben war Gille seit 1987 als angestellte Ärztin beim Landkreis Lüneburg tätig, wo die Aufklärung über AIDS von Anfang an ihr Thema war. Als Pionierin der HIV-Prävention betreute Gille selbst nach ihrer Pensionierung 2005 noch bis Ende vorigen Jahres, als sie sich im Alter von 83 Jahren in den Ruhestand verabschiedete, 20 Jahre lang die HIV-Sprechstunde des Landkreises: „Ihr jahrzehntelanges Engagement in der AIDS-Beratung verdient höchsten Respekt. In einer Zeit voller Angst und Stigmatisierung setzten Sie auf Aufklärung statt Ausgrenzung und auf Menschlichkeit statt Vorurteile“, zollte die Bezirksstellenvorsitzende Gille in ihrer Laudatio große Anerkennung. „Auch der ÄGGF entwickelte sich unter Ihrer fachlich kompetenten Führung zu einer anerkannten präventivmedizinischen Institution mit tausenden Veranstaltungen und einer enormen Reichweite“, stellte Kirsche heraus: „Aber Sie sind nicht nur Ärztin, Wissenschaftlerin, Lehrbeauftragte und Autorin. Sie sind vor allem eine glaubwürdige Begleiterin junger Menschen in einer sensiblen Lebensphase.“
Für ihre Lebensleistung und ihr bundesweites Wirken erhielt Dr. med. Gisela Gille in der Vergangenheit zahlreiche Ehrungen wie das Bundesverdienstkreuz und die Ehrenmitgliedschaft in der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. Nun zeichnete Kirsche die Ärztin mit der Ehrenplakette der niedersächsischen Ärzteschaft aus: „Sie haben über Jahrzehnte hinweg gezeigt, was ärztliche Verantwortung im besten Sinne bedeutet: Fachlichkeit, Beharrlichkeit, Menschlichkeit und außergewöhnliches Engagement. Es ist mir daher eine besondere Freude und Ehre, Ihnen heute diese Auszeichnung zu verleihen.“
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Hintergrund-Informationen
Mit der Ehrenplakette werden niedersächsische Ärztinnen und Ärzte ausgezeichnet, die sich in besonderem Maße für die ärztliche Versorgung der Bevölkerung eingesetzt und um das Ansehen des Arztberufs verdient gemacht haben. Der Vorschlag für die Verleihung wird in der Regel von der zuständigen Bezirksstelle aufgrund eines Beschlusses ihres Vorstandes eingereicht. Über die Verleihung beschließt der Landesvorstand. Die Ehrenplakette stellt die höchste Auszeichnung dar, die die Ärztekammer Niedersachsen verleiht. Die Ehrenplakette ist aus Silber. Sie zeigt auf der Vorderseite das Niedersachsenross mit der Umschrift „Dank und Anerkennung – Ärztekammer Niedersachsen“, auf der Rückseite den Äskulapstab mit der Umschrift „Aegroti salus suprema lex“.
Über die Ärztekammer Niedersachsen
Die Ärztekammer Niedersachsen ist die standesrechtliche Vertretung der rund 48.000 Ärztinnen und Ärzte im Flächenland Niedersachsen. Sie nimmt in Selbstverwaltung öffentliche Aufgaben im Gesundheitswesen wahr und erfüllt zugleich weisungsgebunden übertragene staatliche Aufgaben. Außerdem setzt sie sich für eine qualitativ hochwertige ärztliche Fort- und Weiterbildung ein und betreut die Ausbildung der Medizinischen Fachangestellten.
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