
Fast jeder dritte Erwachsene in Deutschland hat aufs Jahr gerechnet eine psychische Erkrankung. Teils mit langfristigen Folgen: Menschen mit psychischen Erkrankungen haben weltweit im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung eine bis zu 15 Jahre verringerte Lebenserwartung.1 Darauf macht die Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) anlässlich der Woche der seelischen Gesundheit aufmerksam. „Psychische Erkrankungen zählen zu den wichtigsten Ursachen für den Verlust gesunder Lebensjahre“, erklärt Hans Martin Wollenberg, stellvertretender Präsident der ÄKN und Facharzt für Psychiatrie.
„Psychische Erkrankungen wirken sich oft auf den Lebensstil aus“, beschreibt der Psychiater seine Erfahrung. Es gibt deutliche Zusammenhänge zwischen diesen Störungen, schlechtem Schlaf, wenig Bewegung, ungesunder Ernährung, Rauchen, Alkohol- oder Drogenkonsum. Das begünstigt das Entstehen zusätzlicher körperlicher Erkrankungen. Hinzu kommt, dass Betroffene seltener zum Arzt gehen: „Wer kaum den Tag bewältigen kann, nimmt zum Beispiel selten Vorsorgeuntersuchungen wahr“, so Wollenberg: „Deshalb ist es wichtig, Menschen mit psychischen Erkrankungen schnell und niedrigschwellig Hilfe anzubieten und damit eine Chronifizierung zu verhindern. Wer in psychische Gesundheit investiert, betreibt Prävention.“ So helfe Betroffenen zum Beispiel der Ausbau von psychotherapeutischen, psychiatrischen und sozialpsychiatrischen Angeboten und das Angebot von geschützten Räumen, in denen sie vorurteilsfrei Unterstützung und Hilfe erfahren.
Hintergrundinformationen:
Laut Angaben der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V. (DGPPN) sind in Deutschland jedes Jahr 27,8 Prozent der Erwachsenen von einer psychischen Erkrankung betroffen. Nur jeder Fünfte befindet sich in Behandlung. Zu den häufigsten psychischen Erkrankungen zählen in Deutschland Angststörungen (15,4 Prozent), gefolgt von affektiven Störungen (9,8 Prozent, davon allein die unipolare Depression: 8,2 Prozent) und Suchterkrankungen (5,7 Prozent).
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