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Hannover,

Tabakerhitzer, Shisha & E-Zigarette: Bleibende Risiken und offene Fragen

Moderne Möglichkeiten des Tabakkonsums wirken nach außen hin oft harmloser als herkömmliche Zigaretten – dennoch stellen sie eine erhebliche Gefahr für die Gesundheit dar. Die Ärztekammerpräsidentin und Lungenfachärztin Dr. med. Martina Wenker warnt zum Weltnichtrauchertag ausdrücklich vor dem Konsum.

E-Zigarette, Tabakerhitzer und Shisha sind alternative Möglichkeiten zum Konsum von Tabak und Nikotin – mit teils sehr unterschiedlichen und oft auch unbekannten Risiken. Foto: ÄKN

Die gesundheitlichen Gefahren des Zigarettenrauchens sind allgemein bekannt. Doch seit Jahren steigt auch die Zahl der verfügbaren Alternativen zum Tabak- und Nikotinkonsum sowie deren Nutzerinnen und Nutzer. Der Konsum mittels vermeintlich harmloseren Tabakerhitzern, Shishas oder E-Zigaretten nimmt stetig zu – die damit einhergehenden Gefahren für die Gesundheit werden von den Nutzenden offenbar unterschätzt oder ignoriert – dabei sind sie zum Teil sogar höher als beim herkömmlichen Zigarettenrauchen.

E-Zigarette: Viele Risiken bestehen weiterhin – und vieles ist unbekannt 

Mittels einer E-Zigarette wird eine speziell hierfür hergestellte Flüssigkeit, das sogenannte Liquid, verdampft. Da hierbei keine Rauchgase entstehen, halten viele den Konsum von E-Zigaretten für weniger lungenschädigend als das klassische Rauchen. Dennoch erkranken Nutzerinnen und Nutzer von E-Zigaretten deutlich häufiger an Lungenerkrankungen als Menschen, die gar keine Tabakprodukte konsumieren. Laut einer 2020 publizierten Studie aus den USA beispielsweise resultiert aus dem regelmäßigen Konsum von E-Zigaretten ein um 95 Prozent höheres Risiko zur Erkrankung an COPD (Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung) im Vergleich zum Nicht-Konsum.

Anders als bei den relativ weitgehend erforschten Gesundheitsgefahren des herkömmlichen Rauchens lassen sich die Risiken von E-Zigaretten zudem noch nicht vollumfänglich einschätzen. Ursache hierfür ist die große Zahl verschiedener Aromastoffe, die für die Herstellung der Liquids verwendet werden. Diese seien laut Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums in der Regel unbedenklich hinsichtlich der Aufnahme in den Magen-Darm-Trakt. Die gesundheitlichen Auswirkungen beim Einatmen in die Lunge seien dagegen unbekannt.

„Schon jetzt wissen wir, dass E-Zigaretten eine Gefahr für die Gesundheit darstellen. Und wir wissen leider auch, dass viele Risiken noch nicht abschließend geklärt sind“, betont Dr. med. Martina Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN). Eines steht dabei leider schon fest: Das Abhängigkeitspotential von nikotinhaltigen Liquids in E-Zigaretten ist vergleichbar mit dem herkömmlicher Zigaretten.

Zur Entwöhnung ungeeignet

Oft erfolgt der Umstieg von herkömmlichen Zigaretten auf E-Zigaretten verbunden mit dem Ziel, hierdurch auf Dauer ganz mit dem Rauchen beziehungsweise dem Konsum von Tabak aufzuhören. „Tatsächlich bleibt es in der Regel bei einer dauerhaften Nutzung. Als Mittel zur vollständigen Entwöhnung sind E-Zigaretten kaum geeignet“, erläutert Wenker. Langfristig erfolgreich dagegen seien Verhaltenstherapien und Nikotinersatztherapien sowie suchthemmende Medikamente. Diese Methoden lassen sich auch kombiniert und individuell angepasst einsetzen.

Shishas sind gefährlicher als Zigaretten 

Seit einigen Jahren sind Shisha-Bars in vielen Städten in Deutschland allgegenwärtig. Man trifft sich hier meist in Gruppen und konsumiert gemeinsam Tabak mit Hilfe einer Wasserpfeife. Dazu wird in der Regel stark aromatisierter Tabak erhitzt und der dadurch entstehende Rauch durch einen Wasserbehälter gezogen, bevor er eingeatmet wird. Manche Konsumentinnen und Konsumenten sind der Ansicht, der Rauch würde hierdurch entsprechend gefiltert werden und sei damit ungefährlicher – doch dies ist ein Mythos. Denn durch den Kontakt mit dem Wasser wird der Rauch lediglich gekühlt, wodurch er sich leichter in größeren Mengen tief einatmen lässt. Eine Filterung von Schadstoffen findet hierbei aber nicht statt. Durch das im Verlauf einer 30- bis 60-minütigen Shisha-Sitzung wesentlich höhere Gesamtvolumen an Rauch ist die Schadstoffaufnahme deutlich höher als bei einer herkömmlichen Zigarette. So ist die aufgenommene Nikotinmenge laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum knapp doppelt so hoch wie beim Rauchen einer Zigarette. Die Aufnahmemenge von krebserregenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) ist nach den Ergebnissen einer amerikanischen Studie je nach unterschiedlicher Art des PAK drei bis 245 Mal so hoch. „Der Irrglaube, im Vergleich zum Zigarettenrauchen weniger Gesundheitsgefahren ausgesetzt zu sein, ist gerade beim Shisha-Rauchen besonders hoch“, bekräftigt Wenker. 

Tabakerhitzer wirken harmlos, sind es jedoch nicht

Als weiteres modernes Tabakprodukt sind Tabakerhitzer in Deutschland seit einigen Jahren auf dem Markt. Im Gegensatz zu herkömmlichen Zigaretten wird Tabak hier nicht verbrannt, sondern mittels hoher Temperatur verdampft. Auch dieser Dampf riecht unauffälliger und enthält insgesamt weniger Schadstoffe als Zigarettenrauch. Einige, beispielsweise Glyzerin, finden sich in höheren Konzentrationen als im Zigarettenrauch, Zusätzlich wurden Schadstoffe in dem Dampf nachgewiesen, die man vom herkömmlichen Rauchen nicht kennt. Da beim Tabakerhitzer eine ähnlich hohe Nikotinmenge freigesetzt wird, wie bei einer Zigarette, besteht hier ein ebenso hohes Abhängigkeitsrisiko. „Dies sind keine ungefährlichen Lifestyle-Produkte, die man bedenkenlos konsumieren kann – insbesondere, da hierzu auch noch keine langfristigen Daten zu den gesundheitlichen Auswirkungen vorliegen“, betont Wenker.  

Verzicht ist die beste Option

Trotz gewisser Unterschiede haben alle Varianten des Tabak- und Nikotinkonsums, einschließlich klassischer Zigaretten und auch Pfeifen, eines gemeinsam: Sie schädigen die Gesundheit der Lunge und benachbarter Organe und nur der Verzicht kann vor diesen Risiken schützen. Eine individuelle Entscheidung gegen den Konsum wird jedoch durch das hohe Abhängigkeitspotential des Nikotins erschwert. Um Raucherinnen und Rauchern zu helfen und auch, um Nichtraucherinnen und Nichtraucher zu schützen, fordert Ärztekammerpräsidentin Wenker daher größere Anstrengungen in allen relevanten Bereichen: „Wir benötigen mehr Förderung für Substitutionsprogramme, verstärkte Prävention und Aufklärung sowie mehr Einschränkungen bei Werbung und Verkauf – nur so können wir Menschen davor schützen, in eine Nikotinabhängigkeit zu geraten und ihre Gesundheit sowie die ihrer Mitmenschen dauerhaft zu gefährden.“

 

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