
Hannover, den 2. September 2026. Rund 3.200 Menschen stecken sich jedes Jahr in Deutschland neu mit HIV an, dem humanen Immundefizienz-Virus. Die inzwischen guten Behandlungsmöglichkeiten ergeben eine positive Prognose. Dennoch handelt es sich um eine chronische, lebenslang intensiv behandlungsbedürftige Erkrankung. Fachgerecht versorgt steckt HIV kaum mehr an. Außerdem kann die „Präexpositionsprophylaxe“ zur Vorbeugung genutzt werden. Dieser Fortschritt führt allerdings dazu, dass viele Menschen das Risiko verkennen und ihren passiven Schutz vernachlässigen. In der Folge gibt es immer noch HIV-Neuinfektionen – und andere sexuell übertragbare Infektionen (sexually transmitted infections, STI) erleben durch ungeschützten Verkehr eine Renaissance. Geschlechtskrankheiten wie Chlamydien-Infektionen, Gonorrhoe (Tripper) oder Syphilis treten von Jahr zu Jahr häufiger auf, denn die Bevölkerung ist nicht ausreichend informiert.
Aus Anlass des Welttags der sexuellen Gesundheit am 4. September weist Dr. med. Wolfgang Lensing, Vorsitzender des Berufsverbands der Hautärzte in Niedersachsen, auf den unzureichenden Wissensstand hin: „Es hapert oft an der Einsicht, dass diese Erkrankungen ein hohes Risiko bedeuten können“, bedauert der in Hannover niedergelassene Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten. Neben den circa 10.000 Neuansteckungen mit Syphilis, der Zunahme der Spät-Syphilis, die tödlich verlaufen kann, sind laut Lensing aktuell besonders Erreger wie Mykoplasmen, Trichomonaden, Hepatitis B sowie das Herpes- und das Mpox-Virus relevant.
„Sexuell aktive Menschen sollten sich im Klaren darüber sein, dass sie eine Verantwortung für ihre Gesundheit und die ihres Intimpartners tragen“, betont Lensing. Ausräumen lasse sich das Risiko durch „Safer Sex“, besonders durch die ausnahmslose Verwendung von Kondomen. Infektionsvermeidung sei überaus wichtig: Der vielfache und wiederholte Einsatz von Antibiotika habe besonders bei der Gonorrhoe inzwischen zu fatalen Resistenzen bei den Bakterien geführt: „Das ist eine äußerst gefährliche Entwicklung“, warnt Lensing.
Dr. med. Thomas Buck, stellvertretender Präsident der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN), macht ebenfalls auf das fatale Informationsdefizit aufmerksam: „Deshalb ist es wichtig, wie es bei HIV schon lange der Fall ist, besser in der Schule über sämtliche sexuell übertragbaren Krankheiten zu informieren.“ Denn Studien hätten zum Beispiel gezeigt, berichtet der in Hannover niedergelassene Arzt, dass fast die Hälfte der 16-Jährigen nichts über Geschlechtskrankheiten wie Gonorrhoe oder Syphilis wisse1. „Wollen wir Ansteckungen und die Weitergabe von Infektionen verhindern, müssen wir Jugendliche und junge Erwachsene über gesundheitlich beeinträchtigende Verhaltensweisen, über Risikofaktoren, aber auch über Präventionsangebote wie zum Beispiel die Impfung gegen Humane Papillomviren, also HPV, aufklären“, fordert Buck. HPV gehört zu den am häufigsten übertragenen STIs. Je nach Virusstamm kann dies zu Feigwarzen führen, aber auch Gebärmutterhalskrebs und verschiedene andere Krebsarten verursachen.
Quellen:
1 Wie gut ist das Wissen über sexuell übertragbare Infektionen in Deutschland? Ergebnisse der ersten bundesweiten repräsentativen Befragung zu Gesundheit und Sexualität (GeSiD); Bundesgesundheitsblatt, 2021, https://doi.org/10.1007/s00103-021-03319-8.
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