
In Niedersachsen steigt das Risiko, nach einem Zeckenstich an einer FSME-Infektion – einer Frühsommer-Meningoenzephalitis – zu erkranken. Bereits 2019 hat das Robert Koch-Institut (RKI) den Landkreis Emsland als FSME-Risikogebiet eingestuft. In dem am 27. Februar 2025 veröffentlichten Epidemiologischen Bulletin hat das RKI nun als zweiten Kreis in Niedersachsen zusätzlich den Landkreis Celle zum Risikogebiet erklärt.
Im Jahr 2024 wurde in Deutschland mit 686 FSME-Erkrankungen die zweithöchste Fallzahl seit Beginn der Datenerfassung 2001 gemeldet. Von diesen in Deutschland lokalisierten, sogenannten autochthonen Infektionen wird in sieben Fällen Niedersachsen genannt. Das Niedersächsische Landesgesundheitsamt (NLGA) hatte bereits in den Jahren zuvor eine Zunahme der Fälle in Niedersachsen beobachtet. Es wird vermutet, dass das FSME-Virus, das in Deutschland vor allem in den Zeckenpopulationen in Bayern, Baden-Württemberg, Südhessen oder auch im südöstlichen Thüringen, in Sachsen und im südöstlichen Brandenburg verbreitet ist, in den Zecken weiter nach Norden getragen wird. So berichtet das NLGA für die Jahre 2002 bis 2015 von neun, in den Jahren 2016 bis 2019 von 22 und in den Jahren 2020 bis 2023 von zehn bekannt gewordenen FSME-Erkrankungen. In Niedersachsen ist der Holzbock mit Abstand die häufigste Zeckenart, wobei vereinzelt auch tropische Zeckenarten gesichtet werden, die vermutlich durch Zugvögel eingetragen werden.
Bei der FSME handelt es sich um eine Viruserkrankung, die grippeähnlich Symptome aufweist und eine Hirnhaut- oder Rückenmark-Entzündung auslösen kann. Eine Infektion kann schwerwiegende Langzeitschäden am Hirn oder auch Lähmungen nach sich ziehen. Daher sollten Zeckenstiche durch Schutzmaßnahmen wie das Tragen geschlossener Kleidung, das Meiden von hoch gewachsenem Gras und Unterholz sowie das Verbleiben auf festen Wegen verhindert werden. Auch Repellents schützen eine gewissen Zeit lang. Bei Zeckenbefall sollte die Zecke immer umgehend entfernt und die Wunde möglichst desinfiziert werden. Zusätzlich kann eine FSME-Impfung schützen, die gemäß der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) Personen empfohlen wird, die beruflich gefährdet sind. Das gilt für Personen, die in Risikogebieten in der Forst- oder Landwirtschaft arbeiten.
Ein zeitlich begrenzter Impfschutz – etwa für kürzer Aufenthalte in Risikogebieten – erfordert, wie das RKI informiert, mindestens zwei Impfstoffdosen; ein länger bestehender Impfschutz jedoch drei Impfstoffdosen. Die erste Auffrischungsimpfung erfolgt nach drei Jahren; weitere Auffrischungsimpfungen werden je nach Altersgruppe und verwendetem Impfstoff in Abständen von drei bis fünf Jahren empfohlen. Bei Einhaltung dieser Zeitabstände betrug die Impfeffektivität bei drei oder mehr Impfstoffdosen laut einer im Jahr 2023 erschienenen Studie 96,6 Prozent.
Inge Wünnenberg
