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Hannover,

„Antibiotika möglichst selten und gezielt einsetzen“

Infektionen mit antibiotikaresistenten Erregern nehmen weltweit zu: Dr. med. Martina Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, informiert anlässlich der Welt-Antibiotikawoche über Gegenmaßnahmen und Alternativen.

Abbildung: Dr_Microbe – stock.adobe.com

Hannover, 19. November 2025. Antibiotikaresistente Erreger stellen, dem kürzlich veröffentlichten Bericht „Global antibiotic resistance surveillance report 2025“1 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nach, eine ernst zu nehmende gesundheitliche Bedrohung dar. Wie die WHO-Daten aus dem Jahr 2023 zeigen, wurde jede sechste im Labor bestätigte bakterielle Infektion durch antibiotikaresistente Erreger ausgelöst. Diese Infektionen lassen sich allerdings zum Teil nur mithilfe sogenannter Reserve-Antibiotika behandeln. Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI)2 sind in Deutschland im Jahr 2019 fast 10.000 Menschen an einem resistenten Krankheitserreger gestorben. Zugleich hat sich, wie das RKI erläutert, vor allem bei den gramnegativen Stäbchenbakterien die Situation weiter verschlechtert.

„Wir haben bereits am Beispiel von grampositiven nosokomialen Infektionserregern wie den Methicillin-resistenten Staphylokokken (MRSA) gesehen, dass es möglich ist, ihre Ausbreitung durch gezielte Maßnahmen einzuschränken“, informiert Dr. med. Martina Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, anlässlich der Welt-Antibiotikawoche. Nicht zuletzt die aktuell steigenden Zahlen zeigten jedoch, dass etwa die auf Bundesebene entwickelte Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie „DART 2030“3 noch nicht ausreichend greife. 

„Deshalb ist es wichtig, dass die Bevölkerung durch Hygienemaßnahmen wie beispielsweise Händewaschen Infektionen einerseits möglichst vermeidet“, unterstreicht Wenker. „Andererseits sollten Ärztinnen und Ärzte Antibiotika etwa nur dann einsetzen, wenn es sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit um eine bakterielle Infektion handelt.“ Außerdem sollte für die jeweilige Infektion ein wirksames Antibiotikum mit einem möglichst schmalen Wirkspektrum eingesetzt werden, greift die Ärztin eine weitere Gegenmaßnahme angesichts der steigenden Resistenzen auf. 

Darüber hinaus begrüßt Wenker die Forschung im Hinblick auf therapeutische Alternativen. Hierzu zählen unter anderem Bakteriophagen, deren Potential zum Beispiel das Nationale Zentrum für Phagen-Therapie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH)4 und auch andere deutsche Forschungsinstitute untersuchen: „Die jeweils auf ein Bakterium spezialisierten Viren könnten in den Fällen eine Behandlungsalternative darstellen, wenn für einige der multiresistenten Bakterien keine Antibiotika mehr zur Verfügung stehen.“ 

Quellen:

Global antibiotic resistance surveillance report 2025:
https://www.who.int/publications/i/item/9789240116337

Robert Koch-Institut:
https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Antibiotikaresistenz/FAQ/faq-node.html#entry_16947992

Bundesministerium für Gesundheit:
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/antibiotika-resistenzen/dart-2030.html

4 Nationales Zentrum für Phagen-Therapie:
https://www.mhh.de/nzpt

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