
Am Freitag, 15. Mai, hat sich der 130. Deutsche Ärztetag in Hannover unter anderem intensiv mit Grenzüberschreitungen, Machtmissbrauch und sexueller Belästigung im Gesundheitswesen befasst. Es wurden hierzu Beschlüsse gefasst unter anderem zum Schutz vor sexualisierter Belästigung und Diskriminierung, zur Aufnahme der Themen Machtmissbrauch und Diskriminierung entsprechend des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz in die ärztliche Fortbildung, dem Schutz von Patientinnen und Patienten vor sexuellen Übergriffen durch Ärztinnen und Ärzte sowie vor allem die Befassung mit Machtmissbrauch, sexualisierter Gewalt und Diskriminierung als Kernthema des 131. Deutschen Ärztetags 2027.
Die Debatte wurde eingeleitet von einem Bericht aus der Delegation der Medizinstudierenden, die von ihren Erfahrungen im Rahmen des Ärztetags berichten und Kommentare über ihr Äußeres, ihre Ausschnitte, Hände auf Gesäß und Rücken, über Einladungen auf Hotelzimmer sowie sexistische Gesprächssituationen schilderten. „Die Schilderungen der Kolleginnen und Studentinnen haben mich tief erschüttert und sprachlos gemacht. Es ist absolut inakzeptabel, dass Frauen derart in ihrer Würde verletzt werden, indem man sie auf ihr Äußeres reduziert. Wir können sexuelle Belästigungen und gar körperliche Übergriffe nicht tolerieren. Solch ein Verhalten ist mit dem ärztlichen Berufsethos nicht vereinbar“, reagierte Dr. med. Marion Charlotte Renneberg, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, auf die Bekanntmachung der Schilderungen.
Bereits im Vorfeld des Deutschen Ärztetags hatte eine Umfrage des Marburger Bunds das Ausmaß von Machtmissbrauch, Demütigung und sexueller Belästigung gegenüber Ärztinnen und Ärzten im Arbeitsumfeld offenbart.1 So berichtete fast die Hälfte der Befragten, Machtmissbrauch insbesondere durch Vorgesetzte selbst erfahren zu haben. Jede zehnte beziehungsweise jeder zehnte Befragte berichtete von sexueller Belästigung in den vergangenen zwölf Monaten. Die Täter sowohl in den Fällen von Machtmissbrauch als auch von sexueller Belästigung waren mit deutlicher Mehrheit Männer. Die Opfer haben die Vorfälle in den meisten Fällen nicht gemeldet: Als Gründe gaben sie einerseits Angst vor persönlichen Nachteilen und andererseits mangelndes Vertrauen in eine konsequente Nachverfolgung der Taten an.
„Als Ärztekammer Niedersachsen stellen wir uns diesem Thema. Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung tolerieren wir nicht“, unterstreicht Renneberg. Die Ärztekammer Niedersachsen hat bereits seit 2018 eine Ombudsstelle für Betroffene von sexueller Belästigung im beruflichen bzw. Ausbildungskontext eingerichtet. Über die E-Mail-Adresse metoo.ombudsstelle(at)aekn.de können sich Betroffene als ersten Kontakt vertrauensvoll an die Juristinnen der Rechtsabteilung wenden.
Quellen
1 Pressemitteilung des Marburger Bunds Niedersachsen vom 06.05.2026
https://www.marburger-bund.de/niedersachsen/pressemitteilung/PK06052026
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