
Der 130. Deutsche Ärztetag, der in der vorigen Woche in Hannover getagt hat, fiel in eine Zeit bundesweiter Debatten über einschneidende Einsparungen im Gesundheitssystem. In ihrer Eröffnungsrede betonte Dr. med. Marion Charlotte Renneberg, die Präsidentin der niedersächsischen Ärztekammer (ÄKN), die Bedeutung der ärztlichen Selbstverwaltung als essentielle Partnerin im politischen Dialog: „Strukturreformen brauchen Akzeptanz – und Akzeptanz entsteht durch Beteiligung. Der fachliche Beitrag aus der ärztlichen Selbstverwaltung muss gehört werden, um gute Politik zu machen. Denn wir kennen die regionalen Besonderheiten, die Versorgungsrealitäten und die Bedürfnisse unserer Patientinnen und Patienten.“
Gemeinsam mit den 230 Kolleginnen und Kollegen aus ganz Deutschland diskutierten die 20 Delegierten und 20 stellvertretenden Delegierten während der viertägigen Sitzung zentrale Themen zur weiteren Entwicklung der ärztlichen Versorgung und des Gesundheitssystems. Dabei brachte die niedersächsische Delegation zahlreiche Beschlüsse des Deutschen Ärztetags auf den Weg – insbesondere zum geplanten GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz, zur Stärkung der Gesundheitsprävention, zur Einführung von Gesundheitserziehung in Kindergärten und Schulen und zur Rücknahme der Teil-Legalisierung von Cannabis. Weitere Anträge aus Niedersachsen galten der Validierung und Transparenz von Arztbewertungen im Internet, der automatischen Sicherstellung des Versicherungsschutzes für Neugeborene, der Weiterentwicklung der Rechtssicherheit und Transparenz bei privatärztlichen Leistungen sowie der verpflichtenden Nutzung des bundeseinheitlichen Medikationsplans in Pflegeeinrichtungen.
„Die Delegierten der ÄKN haben sich enorm engagiert und zusammen als Team über alle Fachgruppen und Sektoren hinweg die Themen und Schwerpunkte der niedersächsischen Ärzteschaft platziert. Das war eine hervorragende Mannschaftsleistung“, begrüßen Hans Martin Wollenberg und Dr. med. Thomas Buck, stellvertretende ÄKN-Präsidenten und Leiter der niedersächsischen Delegation, den Beitrag. „Wichtig waren zum Beispiel die Forderungen, Tabakwerbung und auch das begleitete Trinken für Jugendliche zu verbieten: Dafür hat sich das Ärzteparlament mit großer Mehrheit ausgesprochen.“
Der Abschluss des 130. Deutschen Ärztetags am vergangenen Freitag wurde überschattet von Berichten zu herabwürdigenden Äußerungen und sexuellen Belästigungen gegenüber weiblichen Teilnehmerinnen. Hierzu hat die ÄKN am selben Tag in einer separaten Pressemitteilung1 Stellung genommen.
Quellen
1 Pressemitteilung der Ärztekammer Niedersachsen vom 15.05.2026
https://www.aekn.de/detail/die-aerztekammer-niedersachsen-verurteilt-machtmissbrauch-und-sexuelle-belaestigung
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